Was ist im Jemen los?

Die Trump-Regierung hat in diese Woche die jemenitische Gruppe Ansar Allah als Terroristen eingestuft. Viele Hilfsorganisationen waren besorgt, dass dies auf Kosten der Hilfe für die vom Hungertod bedrohten Jemeniten gehen würde. Aber es sieht so aus, als könnten wir weiterhin Hilfe leisten. Doch was genau geschieht zurzeit im Jemen und was sind die Gründe für die angespannte Lage des Landes?

1. Jemen ist ein Spielball

Seit 2015 tobt im Land ein Bürgerkrieg. Das Land ist Teil eines größeren Konflikts zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Dieser Konflikt ist sehr komplex, aber zusammengefasst läuft es darauf hinaus: Die Gruppe Ansar Allah, im Westen oft Houthis genannt, kontrolliert einen großen Teil des Jemen. Die jemenitische Regierung hat sich nach Aden zurückgezogen, das im Süden des Jemens liegt. Die Houthis werden vom Iran unterstützt. Saudi-Arabien, der Erzrivale des Iran, unterstützt seinerseits die Regierung und bekämpft die Houthis.

2. Ist die Hilfe für den Jemen gefährdet?

Zunächst befürchteten Hilfsorganisationen, dass die Maßnahme der USA Konsequenzen für die direkte Lieferung von Hilfsgütern haben würde. Das würde zum Beispiel die Verteilung von Hilfsgütern, Lebensmitteln und Medikamenten unmöglich machen. Bis jetzt sieht jedoch so aus, als könnten wir unsere Arbeit fortsetzen. Wir wissen jedoch nicht, welche Entscheidungen die neue US-Regierung treffen wird. Auch wenn es weiterhin möglich ist, unsere Arbeit zu machen, werden wir wahrscheinlich die Auswirkungen dieser Entscheidung spüren. Zum Beispiel könnte es für internationale Banken schwierig werden, Geld in den Jemen zu überweisen. Oder die Treibstoffpreise im Jemen könnten wieder steigen und die Wirtschaftskrise des Landes verschärfen. Die Unsicherheit geht also weiter.

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Besonders Kinder sind von dem Mangel an Nahrungsmitteln und Gütern im Jemen betroffen.

3. Warum wird die Hilfe im Jemen so dringend benötigt?

Die eskalierende Gewalt geht Hand in Hand mit einer kollabierenden Wirtschaft und den Auswirkungen der Corona-Krise. Dank der humanitären Soforthilfe ist es in den letzten zwei Jahren nicht zu einer größeren Hungersnot gekommen. Aber wegen der Corona-Pandemie ziehen viele Spender ihre Gelder zurück. Die Situation ist inzwischen so schlimm, dass jedes fünfte Kind unter fünf Jahren akut unterernährt ist. Zwei Drittel der über 30 Millionen Menschen im Jemen erleiden Hunger.

4. Ist die Situation im Jemen hoffnungslos?

“Der Jemen befindet sich in einer Abwärtsspirale”, erklärt Gerrianne Pennings, unsere Projektleiterin im Jemen. “Viele Menschen sind geflohen, etwa 3,6 Millionen. In den vergangenen sechs Monaten wurden 81.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Nahrungsmittelhilfe, medizinische Unterstützung, Reparatur von Wassersystemen: Alles hört auf, weil für ein Land wie den Jemen einfach kein Geld mehr da ist. Es fühlt sich buchstäblich so an, als hätte die Welt vergessen, dass es den Jemen gibt. Wir von ZOA glauben nie, dass eine Situation hoffnungslos ist, aber im Jemen ist sie sehr schwierig.”

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ZOA verteilt im Jemen die lebensnotwendigsten Güter, sowie Trinkwasser.

5. Was macht ZOA?

“Wir tun, was wir können, mit dem wenigen Geld, das wir haben”, sagt Gerrianne. “Und das ist, dafür zu sorgen, dass die Menschen Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen haben und dass sie Hygieneerziehung erhalten. Wenn wir in den vergangenen Monaten eines gelernt haben, dann, dass Händewaschen buchstäblich Leben retten kann. Seife und Wasser sind also unerlässlich. Außerdem unterstützen wir bedürftige Familien mit Bargeld oder durch lokale Beschäftigungsprojekte.”

“ZOA hat letzte Woche einen neuen Vertrag mit dem Jemen Humanitarian Fund unterzeichnet, in dem wir Geld für Lebensmittel für Vertriebene bereitstellen werden. Es handelt sich um Flüchtlinge, die in Lagern und bei Gastfamilien untergebracht sind. Wir hoffen, dass die Spender uns weiterhin unterstützen. Die Unterstützung für ein paar Monate reicht einfach nicht aus, um den Menschen wirklich neue Hoffnung zu geben, ihr eigenes Leben aufzubauen. Alle Spenden, ob groß oder klein, sind willkommen, um im Jemen aktiv bleiben zu können. Wir vergessen den Jemen nicht!”

Gemeinsam geben wir den Menschen Hoffnung und Perspektive auf eine Zukunft, indem wir sie von der Nothilfe bis zum Wiederaufbau begleiten. Möchten auch Sie helfen?
Ja, ich möchte die Arbeit von ZOA unterstützen!

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