25 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda

"Es lagen 5.000 Leichen in der Kirche."

Vor 25 Jahren ereigneten sich in Ruanda schreckliche Ereignisse. Zwischen 800 000 und einer Million Menschen starben an den Folgen des Völkermords. ZOA war eine der ersten Organisationen vor Ort. Kees-jan Hooglander lebte und arbeitete dort als Mitarbeiter von ZOA in der ersten Zeit nach dem Völkermord. Der niederländische Radiosender Groot Nieuws Radio stellte ihm eine Reihe von Fragen.

Die Verarbeitung der Traumata wird wahrscheinlich Jahre dauern.

Vor 25 Jahren geschah der Völkermord. Wie kam diese Meldung zu dir?

Es war etwas ganz Besonderes. Ich arbeitete in Malawi und war ziemlich isoliert von der Außenwelt. Ich hatte keine Ahnung, was passiert war, bis ich von ZOA angesprochen wurde, ob ich nach Ruanda gehen wollte. Meine Frau und ich mussten darüber nachdenken, zumal wir unser erstes Kind erwarteten. Doch wir hatten das Gefühl, dass wir viel bewegen können, und nachdem ich überprüft hatte, wie die Situation war, beschlossen wir, zu gehen.

Was hast du vorgefunden, als du das erste Mal dort ankamst?

Es war ein großer Schock. Jeder, den man getroffen hat, war traumatisiert. Die Traumata und Geschichten waren sehr schockierend, einige noch schlimmer als die anderen. Die Regierungen funktionierten nicht mehr. Ich begann dort als Landesleiter für ZOA zu arbeiten und durfte Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser und Abwasser sowie Traumaverarbeitung koordinieren.

Wie lange hast du dort gearbeitet und wie war die Zeit für dich?

Es war eine schwere und manchmal sehr intensive Zeit. Ich genoss es, direkt an der Hilfe beteiligt zu sein, aber nach 3.5 Jahren war es wirklich genug für mich. Ich erlebte den alten Schmerz wieder, als ich vor zwei Wochen die Gegend erneut besuchte. Ich war dort mit einem Kollegen, mit dem ich damals auch viel gearbeitet habe. Die Ereignisse von vor 25 Jahren betreffen ihn immer noch. Er sagte mit Schmerzen in den Augen, dass er vor 25 Jahren in die Kirche gehen musste, um Hilfe zu leisten. Als sie an dem Ort ankamen, fanden sie 5000 Leichen.
Man kann sich das Leiden vor Ort nicht vorstellen.

Du sagst, du warst in letzter Zeit wieder da, wie war das für dich?

Man kann jetzt eine große Veränderung sehen. Das Land ist sauber, strukturiert und ordentlich gegliedert. Im Flugzeug wurden wir sogar gebeten, keine Plastiktüten mit ins Land zu nehmen. Ich habe mich gefreut zu sehen, dass es noch dieselben Krankenhäuser und Projekte gibt, die wir vor 25 Jahren mit ZOA gegründet haben. Dies zeigt, dass eine gute Basis einen echten Einfluss auf Veränderung haben kann. ZOA durfte beim Aufbau eines so zerrissenen Landes helfen. Damals konnten wir den Menschen ein wenig Hoffnung geben – auch wenn es wahrscheinlich Jahre dauern wird, bis wir mit all den Traumata fertig werden.

 

 

Das vollständige Interview mit Kees-Jan Hooglander ist auf niederländisch geführt wirden, Trotzdem können Sie es in voller Länge hier anhören.

ZOA führt aktuell keine Projekte in Ruanda durch. Mehr Informationen zu den abgeschlossenen Projekten und dem Programmzeitraum finden Sie hier:

 

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