Äthiopier aus Tigray auf der Flucht: „Es ist eine humanitäre Katastrophe“

„Es ist eine humanitäre Katastrophe“, erklärt Ina Hogendoorn aus dem Nothilfeteam bei ZOA. Mittlerweile haben bereits mehr als 43.000 äthiopische Flüchtlinge die Grenze zum Sudan überquert. Sie sind auf der auf der Flucht vor der Gewalt in der Region Tigray. In den nächsten Wochen werden weitere 200.000 Flüchtlinge erwartet. „Aber wir sind hier und wir helfen, wo wir können, um diese Äthiopier auf der Flucht zu unterstützen!“ 

Bilder: Joost Bastmeijer

ZOA arbeitet Tag und Nacht, um äthiopische Flüchtlinge im Sudan aufzunehmen. Müde, ängstlich und mittellos kommen Familien, ältere Menschen und Kinder am Aufnahmeort ‘Village 8’ an. Sie hinterließen Hals über Kopf, buchstäblich ohne Hab und Gut, traumatisiert, hungrig und durstig.

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„Es folgt eine ergreifende Flüchtlingsgeschichte auf die andere. Die Menschen sind in blinder Panik geflohen“, erzählte uns der Fotograf Joost Bastmeijer, der letzte Woche das Flüchtlingslager ‘Village 8’ besuchte. „Ich sprach mit einer älteren Frau, die so verängstigt war, dass sie nackt aus ihrem Haus floh. Auf ihrer Flucht erhielt sie glücklicherweise Kleidung von anderen Flüchtlingen. Auch Familien wurden auseinandergerissen, weil nicht alle gleichzeitig fliehen konnten.“

Auffanglager ‘Village 8’

‘Village 8’ im Südosten des Sudans ist ein Auffanglager für den ersten Flüchtlingsstrom. Etwa 6.000 Menschen können hier untergebracht werden. Doch zurzeit ist es mit bereits mehr als 13.000 Äthiopiern auf der Flucht ausgelastet! Es besteht ein enormer Bedarf an Nahrungsmitteln, Unterkünften, medizinischer Versorgung, sanitären Einrichtungen und lebensnotwendigen Gütern. ZOA kümmert sich – zusammen mit anderen Organisationen – um die Flüchtlinge. Konkret versorgt die ZOA 1.500 Haushalte mit grundlegenden Gebrauchsgegenständen wie Seife, Decken, Pfannen, Kochplatten, Kanistern und Hygieneartikeln. Ebenso unterstützen wir bei der Einhaltung der Hygienevorschriften. Denn eine so große Anzahl an Menschen auf engem Raum erhöht das Risiko einer Coronakontamination des Lagers.

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Auffanglager Um Rakouba

Zurzeit werden Vorbereitungen getroffen, um etwas weiter entfernt das Auffanglager ‘Um Rakouba’ einzurichten. Dieses Lager soll ‘Village 8’ entlasten. Um eine große Zahl von Flüchtlingen unterbringen zu können, werden hier zurzeit Sanitäranlagen und Wasserstellen instand gesetzt, um das Flüchtlingslager bewohnbar zu machen. ZOA wird dort mindestens zwei Brunnen reparieren. Dank der finanziellen Unterstützung von Woord en Daad ist es ZOA möglich, in dieser Krise schnelle Nothilfe zu leisten.

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Lage in Tigray

Unterdessen ist die Lage in Tigray, Äthiopien, äußerst besorgniserregend. Viele der Bewohner in der Region sind schutzlos und von der Nahrungsmittelhilfe abhängig. So leben beispielsweise 96.000 Flüchtlinge aus Eritrea in dieser Region aufgenommen. Im Moment ist unklar, wie es ihnen geht. Zudem ist Tigray nach einer militärischen Intervention für den Telefon- und Internetverkehr gesperrt worden, die Zufahrtsstraßen sind blockiert. Infolgedessen haben auch wir nur spärlichen Kontakt zu unseren Kollegen in unserer Außenstelle. ZOA-Koordinator Evert Jan Pierik erzählt: “Die Situation ist für uns immer noch sehr unklar. Unser Team vor Ort berichtet zwar, dass die Kämpfe um die großen Städte beendet sind. Doch es herrscht ein Mangel an Dingen wie Nahrung, Geld, Treibstoff und Wasser. Wir hoffen, dass die Regierung uns schnell wieder Zugang zu den Gebieten und der Bevölkerung gewährt, so dass wir in Tigray selbst sofortige Hilfe leisten können”.

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Zehntausende Menschen fliehen zurzeit vor der Gewalt in Tigray. Gemeinsam wollen wir die Menschen in diesen Krisengebieten unterstützen. Helfen auch Sie mit?

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