Lisanne: "Das Leben zwischen den Ruinen zeigt die Kraft der Menschen"

Lisanne van der Schors arbeitet als Junior Managerin für Programm-Qualität im Irak. Der Feldbesuch bei Mosul hinterließ bei ihr einen großen Eindruck. “Es ist schön zu sehen, wie die Menschen neu anfangen können, wenn alles, was sie hatten, zerstört ist und wie ZOA dazu beitragen kann.” Wir haben Lisanne im Interview nach ihren Motivationen und Gedanken gefragt:

1. Dafür tue ich das!

“Vor ein paar Wochen konnte ich endlich Mosul besuchen. Schon seit Jahren ist Mosul von der IS besetzt und wurde in dieser Zeit und durch den Befreiungskampf völlig zerstört. Während meines Besuchs konnte ich sehen, wie schlimm die Zerstörung war, aber auch, wie einige kleine Geschäfte langsam auftauchen und wie das Leben wieder begann. ZOA Irak hat ein Projekt, bei dem die Einwohner von Mosul eine Ausbildung und ein Stipendium erhalten. Damit können sie ein eigenständiges Unternehmen gründen und ihr eigenes Einkommen verdienen. Das Leben zwischen den Ruinen zeigt mir einerseits sehr gut, wie hoch die Bedürfnisse der Menschen sind. Andererseits zeigt es auch sehr gut die Stärke und Belastbarkeit der Menschen. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen neu anfangen können, obwohl alles, was sie hatten, zerstört ist. Und wie die Menschen wieder Hoffnung haben, obwohl ihnen alles weggenommen wurde, und wie ZOA dazu beitragen kann.”

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2. Momente, in denen ich zurück nach Hause wollte

“Der Sommer im Irak ist heiß. In Deutschland und den Niederlanden konnten Sie das auch in diesem Sommer ein wenig spüren. Tagsüber liegt die Temperatur meist nicht unter 40 Grad Celsius, und diese Hitze bringt auch andere Schwierigkeiten mit sich. Zum zweiten Mal in kurzer Zeit bekam ich eine Lebensmittelvergiftung. Es war heftig und ich fühlte mich wirklich schlecht. Außerdem konnte ich nicht so schnell wie möglich in den Laden gehen, weil es zu heiß war. Wegen der Hitze kamen die Schaben aus den Abflussrohren und der Strom fiel fast kontinuierlich aus. Während dieser Zeit war ich wirklich geschafft und wünschte mich auf meine Couch in den Niederlanden zurück, um wenigstens bei meinen Eltern zu sein, wenn ich schon krank bin. Doch glücklicherweise bedeutet diese Art von Arbeit auch, dass man andere Menschen um sich herum hat, die genau wissen, wie du dich fühlst und sich für dich einsetzen. Einer meiner Freunde brachte mich ins Krankenhaus und kümmerte sich dann für ein paar Tage um mich. Ich erhielt von allen Seiten Nachrichten von Kollegen, die fragten, ob sie etwas für mich tun könnten. Als Niederländer lernt man oft, dass man alles selbst in die Hand nehmen muss, aber im Irak lerne ich, dass die Hilfe bei der Einstellung einen mehr mit den Menschen um einen herum verbindet.”

3. Diese Geschichte werde ich nie vergessen

“Als ich Praktikantin in Jordanien war, besuchte ich regelmäßig die Gemeinschaftszentren für Frauen, die ZOA unterstützten. In und aus diesen Zentren hörte ich die Geschichte einer Frau, die aus Syrien geflohen war. Ihr Mann war ermordet worden, und sie kannte niemanden in Jordanien. Eines Tages klopfte sie an die Tür des Direktors des Zentrums, um zu fragen, ob sie 20 Dinar ausleihen könnte. Diese Frau hatte nichts mehr übrig, aber sie wusste, wie man Seifen aus Olivenöl herstellt, einem traditionellen Produkt aus ihrer Region. Die Direktorin lieh ihr etwas Geld und fand irgendwo in einer Ecke einige Dosen Olivenöl. Nach einer Woche kam die Frau zurück. Sie hatte 100 Dinar verdient und kam, um ihre Schulden zu begleichen. Heutzutage ist diese Frau eine Lehrerin für andere Frauen, die aus ähnlichen Situationen kommen. Außerdem betreibt sie einen kleinen Laden, der mit dem Zentrum verbunden ist, wo sie verschiedene Arten von Seifen zur Unterstützung des Zentrums herstellen und verkaufen.”

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4. Darum bin ich stolz auf ZOA

“Es gibt viele Situationen, in denen ich stolz auf ZOA war. In unserem Team haben wir eine Gruppe, in der wir Fotos und wichtige Erfolge austauschen. Auf diese Weise können Sie die sofort schönen Ergebnisse der Arbeit von ZOA sehen. Aber ich denke, ich bin noch stolzer, wenn ich die Leidenschaft meiner Kollegen für die Menschen um sie herum sehe. Sie sind bestrebt, der Gemeinschaft mit Respekt zu dienen und den Menschen Werkzeuge zu geben, damit sie ihr eigenes Leben in Würde wieder aufbauen können.”

Wir helfen Menschen, ein menschenwürdiges Leben in Frieden zu führen. Lisanne macht das aus dem Irak. Und weitere 900 Mitarbeiter tun dies in den Niederlanden und weltweit. Helfen auch Sie mit?
Ja, ich möchte die Arbeit von ZOA unterstützen!

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