Jessy: „Mein Sohn hat geträumt, ich sei tot.“

Beirut nach der Explosion

Ihre zwei Kinder beobachten von dem Balkon aus das Feuer im Hafen von Beirut. Jessy ruft sie herein – gerade zur rechten Zeit. Denn schon Sekunden später zerstört eine gewaltige Explosion große Teile des Hauses. Die Familie entkommt unversehrt, doch der materielle und psychische Schaden ist groß. Dank des Christlichen Nothilfeclusters, zu dem ZOA gehört, können sie nun ihr Trauma verarbeiten. Jessy hat uns ihre Geschichte erzählt.

Zwei Kinder beobachten von ihrem Balkon aus das Feuer im Hafen von Beirut. Ihre Mutter ruft sie herein. Gerade zur rechten Zeit. Denn schon Sekunden später zerstört eine gewaltige Explosion große Teile des Hauses. Die Familie entkommt unversehrt, doch der materielle und psychische Schaden ist groß. Dank des Christlichen Nothilfeclusters, zu dem ZOA gehört, können sie nun ihr Trauma verarbeiten.

Bei der Katastrophe in der libanesischen Hauptstadt vor etwa einem halben Jahr wurden 180 Menschen getötet und Tausende verletzt. Die schreckliche Explosion hat auch das Leben der 42-jährigen Jessy und ihrer Familie radikal verändert. „In dem Moment, als meine Kinder vom Balkon zurück ins Wohnzimmer kamen, hörten wir eine gigantische Explosion. Die Fenster, die Türen, alles wurde zertrümmert. Es waren zwei schreckliche Minuten. Wir dachten, das ganze Gebäude würde auf uns herabstürzen. Ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Angst. Ich konnte nicht atmen, konnte nicht klar denken.“ Jessy’s jüngster Sohn geriet völlig in Panik. Er fing an zu schreien: „Mama, wir sind tot!“

„Ich konnte nicht atmen, konnte nicht klar denken.“

Traumata

Besonders die Kinder erlitten ein Trauma. Jessy’s älteste Tochter weigert sich immer noch, das Haus zu betreten. Denn sie fühlt sich dort nicht mehr sicher. Jessy’s jüngster Sohn traut sich nachts nicht mehr zu schlafen. Und es muss immer jemand bei ihm bleiben, denn er will auf keinen Fall mehr alleine sein. „Wenn er endlich schläft, wacht er oft auf. Er träumt, dass ich tot bin“, sagt Jessy.

Doch langsam kommt die Familie wieder auf die Beine. Dank eines finanziellen Beitrags des Christian Relief Clusters können sie ihr Haus reparieren und ihre Familie versorgen. Darüber hinaus erhalten die Kinder psychosoziale Beratung, um ihr Trauma zu verarbeiten. Jessy: „Das hilft ihnen wirklich. Mein jüngster Sohn kommt immer gerne zu den Sitzungen, um über die Explosion zu sprechen.“

2021-01-27_Beirut_ Jessy

Entlastung und Reparaturen

ZOA hat im Rahmen des Christian Emergency Relief Clusters geholfen, zwei psychosoziale Unterstützungszentren und ein Resort in den Bergen bei Beirut wieder aufzubauen. Hier können Kinder und ihre Mütter eine Auszeit von der stressigen Hauptstadt nehmen und eine Gruppentherapie erhalten. Dabei erhalten Sie zum Beispiel psychologische Hilfe. Außerdem können sie sich sportlich, erholsam und kreativ betätigen.

In Beirut wurden bereits viele Reparaturen und Renovierungen durchgeführt, darunter die von 68 Wohnungen und 14 kleinen Geschäften oder Betrieben. Diese befinden sich in den Erdgeschossen von Wohnblöcken in so genannten „gefährdeten Stadtteilen“, wie z. B. dem Stadtteil Bourj Hammoud. Dazu gehören gefährdete ältere Menschen, syrische Flüchtlinge und Arbeiter mit niedrigem Einkommen. Außerdem haben wir mit Reparaturen an zwei Sekundarschulen begonnen, wodurch einige Schulaktivitäten wieder aufgenommen werden konnten.

2021-01-27_Beirut_Wiederaufbau

Bessere Zeiten

Obwohl die wirtschaftliche und politische Lage im Libanon angespannt ist, blickt Jessy weiterhin positiv in die Zukunft. „Jeder zählt die Zahl der Toten und Verwundeten, aber ich ziehe es vor, zu versuchen, unsere Gründe, dankbar zu sein, zu zählen. Im Moment sieht es vielleicht nicht so gut aus, aber ich bin hoffnungsvoll für die Zukunft. Ich erwarte, dass irgendwann bessere Zeiten für den Libanon kommen werden.“

 

Gemeinsam geben wir den Menschen Hoffnung und eine Perspektive für eine Zukunft, indem wir mit ihnen von der Nothilfe zum Wiederaufbau übergehen.

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