Esther's Geheimnis, Mut zu fassen trotz dem Elend in Mosul

“Auch ich verliere manchmal den Mut”, gesteht Esther Grisnich, unsere Landesdirektorin im Irak. Dennoch ist sie noch immer an ihrem Platz vor Ort und findet immer wieder die Inspiration, um ihre Arbeit fortzusetzen und neuen Mut zu fassen. Was ist ihr Geheimnis?

„Ich werde oft gefragt, wie ich unter schwierigen und stressigen Umständen im Irak weiterarbeiten kann. Und ja, ich muss gestehen, dass auch mich der Mut verlässt, wenn all die Arbeit, die wir tun, sich manchmal so sinnlos anfühlt. Denn das Elend ist so groß, die Traumata so tief, das Böse um uns herum so unschlagbar. Dennoch gibt es immer Menschen um uns herum, die mit helfen, neuen Mut zu fassen und Inspiration geben, um weiterzumachen. Manchmal müssen wir nicht einmal so sehr nach ihnen suchen.

Mosul

Ich arbeite in Mosul, im Irak. Oft, wenn ich mit unserem Fahrer durch die völlig zerbombten, zerstörten Straßen von Mosul fahre, zeigt er mir immer wieder Kreuzungen und Gebäude, die ihn an die Hinrichtungen erinnern, die ISIS an diesen Orten vollzogen hat. Schließlich mussten die meisten Mitarbeiter während der ISIS-Herrschaft in der Stadt bleiben. Das Gleiche galt für Raghdan, eine Mutter von vier Kindern, eine Frau von nur 40 Jahren, die sich immer nach eigenem Belieben kleidete und die in der Finanzverwaltung arbeitete. Wenn ich in meinem gebrochenen Arabisch nach ihrer Familie frage und wie es ihr geht, ist sie immer optimistisch.

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Enthauptungen

Doch hinter ihrem optimistischen Auftreten steckt eine dramatische Geschichte. Nach vielen Monaten erzählt sie mir zurückhaltend, warum ihre Stimme oft so heiser ist: Es ist wegen des weißen Phosphors, der bei den Bombenanschlägen verwendet wurde, sagt sie. Schon wenn sie ein Streichholz riecht, wird sie an die schwere Bombardierung der Stadt erinnert – und daran, wie verängstigt sie damals war. Sie erzählt, wie auch sie gezwungen wurde, den langen schwarzen Niqab zu tragen, der nur Platz für die Augen bot. Und wie sie mit den Kindern auf den Markt gehen musste, um die Enthauptungen mit anzusehen. Sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Doch dann strahlt sie plötzlich: „Schau Esther, schau mich jetzt an! Ich habe einen Job, bei dem ich meine ganze Familie unterstützen kann, und ich arbeite für ZOA, um meine Stadt wieder aufzubauen und Hilfe zu leisten.“

Starke Frauen

Später schickt sie uns einen ganzen Ordner mit Fotos, die zeigen, wie sie auch am Wochenende für das Rote Kreuz in Mosul arbeitet, um den Ärmsten der Armen mit Lebensmittelpaketen und Sozialhilfe zu helfen. Ich bin beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Beharrlichkeit, ihr Leben wieder aufzunehmen.
Es gibt so viele Frauen wie Raghdan. Mutige, starke Frauen, die für ihre Familien da sind und aus dem Elend heraus für eine bessere Zukunft kämpfen. Selbst innerhalb meiner eigenen Organisation motiviert sie mich, Mut zu fasen, für sie da zu sein, gemeinsam für Menschen zu arbeiten, die unsere Hilfe brauchen – und verdienen. Ich werde oft an den letzten Satz von Johannes 16 erinnert: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

 

Mut. Das ist es, was wir in dieser unsicheren Zeit brauchen. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu ermutigen, um neuen Mut zu fassen, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Gemeinsam wollen wir auch für Menschen in Krisengebieten da sein, die Gefahr laufen, den Mut zu verlieren. Helfen Sie uns dabei?

Ja, ich möchte die Arbeit von ZOA unterstützen!

Lesen Sie hier mehr über unsere Kampagne
Mut bewahren

Erhalten Sie mehr Informationen in unserem Newsletter:
Jetzt Newsletter abonnieren

Wir sind da.