Filippo Grandi (UN) bittet um Hilfe für Südamerika

Wir haben unsere Kollegin Hielke (ZOA) nach ihrer Erfahrung vor Ort gefragt

Filippo Grandi, der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, ist vor kurzem von seinem Besuch in Brasilien zurückgekehrt. Daraufhin betonte er, dass die Nachbarländer, die Menschen aus Venezuela aufnehmen, mehr Unterstützung erhalten sollten. Er stellte auch einen wachsenden Widerstand gegen den Flüchtlingsstrom fest, der anscheinend zunimmt.

ZOA hat kürzlich damit begonnen, Hilfe in Gebieten in Kolumbien zu leisten, in denen venezolanische Flüchtlinge aufgenommen werden. Die Genehmigungen wurden letzte Woche erteilt. Daher kann ZOA ab sofort dort Projekte starten. Wir lasen die Nachrichten über die Ergebnisse von Filippo Grandi und stellten Hielke Zantema, Mitarbeiterin des Katastrophenschutzteams bei ZOA, eine Reihe von Fragen dazu.

Hielke, was ist deine erste Reaktion, wenn du diesen Artikel liest?

Derzeit sehe ich viel Bereitschaft seitens der Kolumbianer in dem Gebiet, in dem ZOA arbeitet. Und dafür gibt es eine Erklärung. Denn in der Vergangenheit sind viele Kolumbianer aufgrund der Konflikte in ihrem eigenen Land nach Venezuela geflohen. Jetzt wollen sie die Türen für die Flüchtlinge offen halten, die aus Venezuela nach Kolumbien fliehen müssen und nun ihrerseits Hilfe benötigen. Aber langsam zeichnen sich Veränderungen ab. Es ist wahr, dass es in den letzten Monaten verstärkt kleinere Anzeichen von Unruhen gegeben hat und dass die Situation jederzeit umschlagen könnte. Denn es werden mehr Vorfälle gegen Venezolaner gemeldet und es gibt mehr Beschwerden über wachsende Kriminalität. Natürlich werden diese Klänge auch von den Medien aufgegriffen und in eine eigene Geschichte umgestaltet.

Erkennst du das auch?

Glücklicherweise habe ich diese Verbrechen in der Zeit, als ich dort war, überhaupt nicht erlebt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass da ein Körnchen Wahrheit dahinter steckt. Stell dir vor, du müsstest fliehen, ohne irgendetwas von deinem Besitz mitnehmen zu können. Aus Not können die Menschen anfangen, Dinge zu tun, die nicht erlaubt sind. Daher kann ich mir auch vorstellen, dass dies zu mehr Spannungen zwischen Venezolanern und Kolumbianern führen wird.

Trägt ZOA auch etwas für die Kolumbianer bei?

Ja, das tun wir. Es wäre nicht gut, wenn wir uns in unseren Projekten nur auf die Venezolaner konzentrieren würden. Denn das würde nur noch mehr Spannung erzeugen. Überall auf der Welt hat sich bereits gezeigt, dass, wenn sich die Hilfe nur an die geflohenen Menschen richtet, weitere Spannungen entstehen. Daher ist es wichtig, die Bedürftigen zu identifizieren und das richtige Gleichgewicht zu finden. Zudem ist es wichtig, die lokalen Behörden einzubeziehen, die in solchen Ländern eine wichtige Rolle spielen.

Wie wird den Kolumbianern geholfen?

Den Venezolanern und Kolumbianern wird auf die gleiche Weise geholfen. Denn so erstaunlich es auch sein mag, die Bedürfnisse liegen oft sehr nahe beieinander. Ein kleines Beispiel dafür ist ein Wassertank. Sowohl Kolumbianer als auch Venezuelaner besitzen oft nur einen kleinen Wassertank. Es wäre also für beide Gruppen eine große Hilfe, sie mit größeren Wassertanks zu versorgen.

"Es ist natürlich äußerst schwierig vorherzusagen, was in Zukunft passieren wird. Aber wir hoffen auf so wenig Spannung wie möglich zwischen diesen beiden Gruppen und tun alles in unserer Macht Stehende, um dies zu verhindern."

Kolumbien - Filippo Grandi-1

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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