Äthiopien: Neue Hoffnung, neue Herausforderungen

Wenn Sie von Äthiopien hören, denken Sie vielleicht an die weit verbreitete Hungersnot der 80er Jahre und die weltweite Reaktion, die unter der Führung von Bob Geldof und Band Aid folgte. Noch immer ist die Wahrnehmung Äthiopiens von vielen Menschen durch solche lebendigen Bildern geprägt. Aber wussten Sie, dass Äthiopien in den letzten anderthalb Jahren einen bahnbrechenden demokratischen Wandel vollzogen hat? Oder dass sein Premierminister mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und dass das Land kürzlich den Weltrekord im Baumpflanzen aufgestellt hat? Lesen Sie mit uns, welche neue Hoffnung in Afrikas zweitgrößtem Land herrscht und was ZOA tut, um die Menschen hier zu unterstützen!

Frieden mit Eritrea nach 20 Jahren Kalten Krieges

Als der neue Premierminister Dr. Abiy Ahmed Anfang April 2018 eingesetzt wurde, haben wichtige Reformen das Land erfasst. Davon war eines der wichtigsten Versprechen die Beendigung des mehr als 20 Jahre andauernden Kalten Krieges zwischen Äthiopien und Eritrea. Seitdem hat Äthiopien eine entscheidende Rolle bei den Friedensgesprächen im Sudan gespielt. Denn es hat Kriegsparteien im Südsudan an den Verhandlungstisch gebracht und Friedensbotschaften an kriegszerrüttete Länder wie den Jemen ausgesandt. Zudem wurden im Inneren des Landes Zehntausende politischer Gefangener freigelassen. Weiterhin wurden verbotene Medienstandorte und Medienhäuser eröffnet und politische Oppositionsparteien wieder willkommen geheißen. Nun bereitet sich das Land auf die im nächsten Jahr stattfindenden Wahlen vor.

Eine bahnbrechende Flüchtlingsproklamation

Äthiopien beherbergt eine der größten Flüchtlingsbevölkerungen der Welt – die zweitgrößte in Afrika. Nun hat das Land mutige Schritte unternommen, um ein günstiges Umfeld zu schaffen, in dem die Flüchtlinge nicht auf Lager und Hilfsverteilungen beschränkt sind. Sondern wo sie arbeiten, sich frei bewegen und zu den Gesellschaften beitragen können, in denen sie leben.

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ZOA unterstützt sowohl Flüchtlinge als auch lokale Gemeinschaften durch Wasserversorgung, Unterstützung von Lebensgrundlagen und Nothilfe in Krisenfällen.

Anfang 2019 verabschiedete Äthiopien eine neue Flüchtlingsproklamation. Nun führt ZOA mit den neuen Möglichkeiten zur Unterstützung von Flüchtlingen, die diese Politik ermöglicht, innovative Programme durch. Dabei sind Hauptziele die Existenzsicherung in verschiedenen Bereichen. Denn sie werden den Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, helfen, eine nachhaltige Existenzgrundlage in ihrem neuen Gastland zu finden.

NGOs können ihre Arbeit besser verrichten

Auch für NGOs, die in Äthiopien tätig sind, wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht, als das neue Gesetz über zivilgesellschaftliche Organisationen im Jahr 2019 verabschiedet wurde. Denn nun dürfen sich NGOs an Aktivitäten wie Lobbying & Advocacy beteiligen. Zudem können internationale NGOs ihre Programme über lokale NGOs umsetzen und es gibt weniger bürokratische Einschränkungen bei der Verwaltung von NGOs. Durch Beartungen mit der Zivilgesellschaft und mit deren Vertretern im Redaktionsausschuss bietet das neue Gesetz einen besseren Rahmen. Für das Team von ZOA in Äthiopien bedeutet dies, dass die Umsetzung von Programmen durch lokale Partnerorganisationen vereinfacht wird. Damit wird auch der Aufbau lokaler Kapazitäten in den kommenden Jahren eine bedeutendere Rolle in unseren Programmen spielen.

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In der Region Tigray im Norden Äthiopiens haben viele Eritreer ihren Weg über die Grenze gefunden. ZOA unterstützt sowohl Eritreer als auch ihre äthiopischen Gastgeber bei der Gründung von Mikrounternehmen.

Neue Hoffnung, aber auch neue Herausforderungen

Doch in dieser hoffnungsvollen Ära der Demokratisierung in Äthiopien bleiben die Herausforderungen bestehen. Es wird Zeit brauchen, um die bürokratische Kultur zu transformieren. Denn die  äthiopische Regierung prägte sie jahrzehntelang. Jetzt müssen neu ernannte Regierungsbeamte neue, offenere Wege einführen, um Geschäfte zu tätigen und ihren Gemeinschaften zu dienen. Zuvor unterdrückte Spannungen in der Gemeinschaft beginnen nun an vielen Stellen aufzutauchen, auch in den ZOA-Programmgebieten. Allein in der somalischen Region haben über eine Million Binnenvertriebene aufgrund ethnischer Konflikte an der Grenze zur Region Oromia Zuflucht gesucht. Daher reagiert ZOA mit groß angelegten Hilfsprogrammen, um sicherzustellen, dass die Menschen Dächer über ihren Köpfen haben. Und indem wir das Wesentliche zur Wahrung ihrer Würde und ihrer grundlegenden sanitären Bedingungen bereitstellen.

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Da Äthiopien mit aufeinanderfolgenden Dürrejahren konfrontiert ist, unterstützt ZOA die Menschen sowohl durch sofortige lebensrettende Maßnahmen wie Wassertransporte als auch durch den Bau von Infrastrukturen wie Bohrlöchern, Dämmen und Teichen, um Menschen und Tieren den Zugang zu Wasser zu ermöglichen.

Unsere Arbeit in Äthiopien

Da Dürre in dieser Region eine anhaltende Herausforderung darstellt, hat ZOA auch Zehntausende von Menschen in Not mit sauberem Trinkwasser versorgt. Doch die Opposition fechtet Reformen wie die neue Flüchtlingsproklamation in einigen Regionen an. Daher setzt ZOA sich dafür ein, Unterstützung sowohl den Aufnahmegemeinden als auch den Flüchtlingen in diesen Gebieten zu leisten.

Wenn Menschen Hilfe, neue Hoffnung und Genesung brauchen, ist ZOA eine Organisation, auf die sie sich in den abgelegenen Gebieten, in denen wir tätig sind, verlassen können. Durch den Aufbau lokaler Kapazitäten und die Reaktion auf Notfälle sind wir zuversichtlich, dass wir in der Lage sein werden, einen positiven Wandel in den Gemeinden und Menschen herbeizuführen. Denn neue Hoffnung entsteht dort, wo wir Hand in Hand arbeiten!

Bitte lesen Sie mehr über unsere Arbeit in Äthiopien auf unserer Länderseite oder besuchen Sie ZOA Ethiopia auf Facebook.

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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