Tasrudin: "Wir haben es eine Woche lang nicht gewagt, in unser Haus zurückzukehren"

Tasrudin und seine Frau lebten ein ruhiges Leben auf Sulawesi, bis ein großes Erdbeben ihr Leben auf den Kopf stellte. Tasrudin sprach mit uns über diesen schicksalhaften Tag.

“Meine Frau und ich leben mit unserem Sohn und unserer Tochter auf der indonesischen Insel Sulawesi. Denken Sie dabei nicht an eine kleine Inselgröße, denn Sulawesi ist viermal so groß wie die Niederlande! Ich möchte Ihnen ein Stück von meinem Leben zeigen.”

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Tasrudin und seine Familie

“Vor noch einem Jahr hatten meine Familie und ich eigentlich ein sehr gutes Leben. Ich war so etwas wie der Bürgermeister und habe unser Dorf in einem Regionalrat von Dörfern vertreten. Es war eine wunderbare Arbeit. Denn ich pflegte viele Beziehungen und fühlte mich wirklich in der Lage, für die Dorfbewohnern etwas zu verändern. Zudem lebten meine Familie und ich in Frieden. Es war einfach gut.

Bis zu dem Tag, an dem sich alles änderte. Ich war drinnen bei unseren Kindern, als plötzlich ein großer Schock durch die Erde ging! Ich sprang von meinem Stuhl auf und rannte hinaus. Von dort aus rief ich meine Kinder auf, auch herauszukommen. Die Sekunden, in denen sie noch drin waren, schienen wie eine Ewigkeit, ich hatte in diesem Moment so große Angst. Zum Glück waren alle endlich draußen. Eigentlich, kurz bevor unser Haus von der Kraft der Erde in die Luft gehoben wurde. Als die Trümmer fielen, brach das ganze Haus zusammen.”

"Die Sekunden, in denen meine Kinder noch drin waren, schienen ewig zu dauern. Ich hatte so große Angst."

Ein Gefühl der Ohnmacht

“Wir waren geschockt, es war ein großes Chaos. Alle rannten auf die Straße, um Sicherheit zu finden. Nach diesem schrecklichen Tag lebten wir eine Woche lang auf der Straße. Erst als wir hungrig wurden, gingen wir nach Hause und suchten inmitten der Überreste unseres Hauses nach Nahrung.

Die Zeit nach dem Beben war eine sehr schwierige Zeit für mich. Nach der Katastrophe begannen wir, unsere eigenen Zelte zu bauen. Letzten Januar wurde uns ein provisorisches Haus zugewiesen. Aber das ist auch nicht gut. Fast keine Fenster und Türen, so brütend heiß. Ich möchte ein neues Haus für unsere Familie bauen, damit wir uns wieder sicher fühlen. Aber ich weiß nicht, wie. Ich fühle mich von Ohnmacht überwältigt. Ich fühle mich, als hätte ich als Mann und Vater versagt.”

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ZOA’s Einsatz

“Als wir in der ersten Woche komplett am Boden waren, war ZOA da, um Reis, Fisch, Salz und Decken zu verteilen. Im Moment hilft uns ZOA mit Baumaterialien und einem wachsamen Auge, unter dem wir als Dorfbewohner unsere Häuser gemeinsam wieder aufbauen können. Ich bin so dankbar für die helfenden Hände!”

"Ich bin dankbar, dass sich die Leute die Zeit genommen haben, sich meine Geschichte anzuhören. Es ist schön, dass ich es nicht alleine machen muss".

“Aber um ehrlich zu sein, bin ich eigentlich noch dankbarer, dass es Leute gab, die sich die Zeit genommen haben, uns zuzuhören. Die für uns da waren, als unsere ganze Existenz ausgelöscht wurde. Das war so wertvoll. Es ist schön zu wissen, dass man es nicht alleine machen muss, sondern dass es Leute gibt, die an einen denken.”

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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