"Ich wollte meine Zwillinge auf der Flucht zurücklassen"

Der Zeltstoff flattert im schneidend kalten Wind, der durch das Flüchtlingslager Bardarash weht. Hinter dem lauten Rauschen hört man das wehleidige Schreien eines Babys. Im Zelt sitzt eine Familie, zwar geschützt vor dem Wind, aber nicht vor der Kälte. Hier im Nordirak fällt die Temperatur nachts bis unter den Gefrierpunkt, tagsüber liegt sie einige Grad über dem Gefrierpunkt. 

Die Bedingungen, die wir in Deutschland im Winter vorfinden, sind normal – solange man drinnen mit Ofen und Heizung oder draußen mit einem guten Wintermantel und Schal sitzen kann. Aber Zelten im Winter ohne Heizung? Das würde sich niemand antun.

“Wir mussten in Eile fliehen”, sagt die Mutter des Babys. Als Ende Oktober die türkische Armee im Nordosten Syriens einmarschierte, flohen Kurden und assyrische Christen massenhaft in den Irak. “Wir konnten nichts mitnehmen. Das einzige, was ich noch habe, sind die Kleider, die ich jetzt trage”, erzählt sie uns und zeigt auf ihr blaues Kleid. “Wir hatten gerade Zwillinge bekommen. Sie waren erst zwei Monate alt. Unterwegs hatte ich unsere beiden Babys auf einem Arm, mein Mann trug in der einen Hand einen Koffer und in der anderen eine Thermoskanne mit heißem Wasser für die Babymilch”.

Landesdirektorin Esther besuchte diese Familie im Flüchtlingslager Bardaresh und war schockiert.

Harte Reise

Für die Familie ist es eine lange, harte Reise durch die kurdischen Berge, vor allem weil sie und ihr Mann Schwierigkeiten haben, zu Fuß zu gehen. “Es war unbeschreiblich schwer. Irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen. Ich dachte sogar: “Ich muss die Zwillinge hierlassen, weil ich sie nicht mehr tragen kann”.

Die Mutter wackelt an der Krippe, in der eins der Zwillinge kaum schlafen kann. “Zum Glück ist es jetzt warm im Zelt”, sagt sie und nickt in die Richtung der Kerosinheizung. “Bevor wir diesen Brenner und den Brennstoff von ZOA bekamen, waren wir bis auf die Knochen durchgefroren. Jetzt kann ich sogar Wasser abkochen, um heiße Babymilch herzustellen. Ich habe auch neue Freundinnen im Lager. Das gibt mir ein wenig Hoffnung im Leben, obwohl ich fürchte, dass wir nie wieder nach Hause gehen können”.

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