Was ist in Kolumbien los?

Kolumbien ist bekannt für seinen wunderschönen Regenwald, farbenfrohe Dörfer und hohe Palmen. Aber unter diesen Bäumen leben Menschen auf der Straße, die Gesichter hinter den nüchternen Zahlen. Denn durch den Bürgerkrieg in diesem südamerikanischen Land sind fast 7,6 Millionen Menschen auf der Flucht, die höchste Zahl weltweit! Dazu zählen etwa eine Million Flüchtlinge aus Venezuela. Viele von ihnen leben in tiefer Armut.

Wie ist Kolumbien in diese Situation gekommen?

Im Jahr 2019/2020 feierte das Land 200 Jahre Unabhängigkeit von Spanien. Doch in diesen zweihundert Jahren ist es nie friedlich gewesen. Stattdessen kam es häufig zu Bürgerkriege und viele bewaffnete Konflikten. Während das Abkommen mit der Rebellenbewegung Farc im Jahr 2016 mehr Frieden brachte, geht der Kampf gegen paramilitärische Gewalt, Guerilla, Kokainmafia, Korruption und Machtmissbrauch weiter und beeinflusst sowohl die wirtschaftliche als auch die politische Situation. Das Land zählt zurzeit 7,6 Millionen Vertriebene, etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. In der Zwischenzeit ist ein weiteres Flüchtlingsproblem entstanden: Eine Million Venezolaner haben die Grenze nach Kolumbien überquert. Sie sind vor der politischen und wirtschaftlichen Krise in ihrem eigenen Land geflohen. Sie leben unter sehr schwierigen Bedingungen.

„Viele Menschen, die es seit 2000 geschafft haben, in die Mittelschicht aufzusteigen, leben jetzt wieder in Armut.“

Wie ist die aktuelle Situation?

Ende April und Anfang Mai kam es in mehreren kolumbianischen Städten zu gewaltsamen Protesten. Hunderte wurden verletzt und mindestens 17 Menschen getötet. Bei den Demonstrationen ging es um einen Gesetzentwurf zur Steuererhöhung. Obwohl dieses Gesetz vorerst zurückgezogen wurde, gehen die Unruhen weiter. Kolumbiens Wirtschaft schrumpfte im vergangenen Jahr um 7 Prozent. Viele Menschen, die seit 2000 in die Mittelschicht aufgestiegen sind, leben nun wieder in Armut. Auch der Strom der Flüchtlinge aus Venezuela ist noch nicht gestoppt. Lebensmittel und Medikamente sind dort aufgrund der Hyperinflation nach wie vor sehr knapp. Mike Boomer von ZOAs Team in Kolumbien spricht von einer kritischen Situation in den Grenzgebieten, in denen ZOA arbeitet. „Die Situation ist kritisch, weil sich Frauen, Männer und Kinder große Freiflächen in Notunterkünften teilen müssen. Sie brauchen dringend Nothilfe und auch Schutz.“

„Flüchtlinge selbst haben angegeben, dass Frauen und Mädchen bei der Flucht besonders von sexueller Ausbeutung bedroht sind.“

Was ist die größte Not unter den Flüchtlingen in Kolumbien?

Mike: „Die Flüchtlinge brauchen dringend Nahrung, Trinkwasser, Unterkunft, Transport und medizinische Versorgung. Sanitäre Einrichtungen und Wasser sind von größter Bedeutung. Schließlich kann das Fehlen guter hygienischer Bedingungen zur Ansteckung mit allen Arten von Krankheiten und Covid-19 führen.” Viele Familien landen in Flüchtlingslagern oder auf der Straße. Sie sind anfällig für Menschenhandel und Ausbeutung. Mike bestätigt: “Flüchtlinge selbst haben angegeben, dass Frauen und Mädchen auf der Flucht besonders von sexueller Ausbeutung bedroht sind. Menschenschmuggler und kriminelle Banden sind in den Grenzgebieten und rund um die Lager aktiv.“ Diese Kriminellen setzen auf Zwangsrekrutierung, Menschenhandel und Drogenhandel. Aber auch innerhalb der Familien gibt es viel Leid. Kinder müssen betteln oder werden missbraucht und vernachlässigt.

20210604_Kolumbien_Was ist los in Kolumbien

Was macht ZOA?

ZOA arbeitet hauptsächlich in den Grenzgebieten von Arauca und La Guajira, im Nordosten Kolumbiens. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Bereitstellung von Wasser und sanitären Anlagen für Flüchtlinge. Jeden Monat werden 25.000 Lebensmittelpakete an die betroffene Bevölkerung in diesen Gebieten verteilt, die stark unter dem ständigen Flüchtlingsstrom leidet. Elektronische Gutscheine werden auch an Flüchtlinge auf der Flucht verteilt. Sie können an ausgewiesenen Stellen gegen lebensnotwendige Dinge getauscht werden. Auf diese Weise helfen wir den Flüchtlingen, ihre größte Not zu lindern, und kurbeln gleichzeitig die lokale Wirtschaft an. Längerfristig will ZOA eine Berufsausbildung anbieten, damit die Menschen ihr eigenes Einkommen erwirtschaften können und nicht auf Hilfe angewiesen sind.

 

Die Situation in Kolumbien und den vier anderen Ländern der Vergessenen Liste, Kongo, Burundi, Südsudan und Myanmar, ist erschütternd. Es besteht ein dringender Bedarf an Grundbedürfnissen. Mit Ihrer Spende kann ZOA mit sauberem Trinkwasser, Nahrung und sicheren Unterkünften helfen. Wollen Sie helfen?

Helfen auch Sie mit?
Ja, ich möchte die Arbeit von ZOA unterstützen!

Lesen Sie hier mehr über
ZOA in Kolumbien

Exklusive Informationen erhalten Sie in unserem zweimonatigen Newsletter:
Jetzt Newsletter abonnieren

Wir sind da.