Warum können syrische Flüchtlinge nicht zurückkehren?

Zehn Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien liegt das Land völlig in Trümmern. Millionen von Syrern sind in die Nachbarländer geflohen, darunter auch in den Irak. Doch tausende syrische Flüchtlinge sind nach wie vor in Flüchtlingslagern gefangen. Doch warum gehen sie nicht zurück nach Syrien?

Von insgesamt 283.548 Flüchtlingen im Irak sind 242.704 syrische Flüchtlinge. Einige von ihnen sind bereits dreimal geflohen: zuerst vor Assad und IS und dann aufgrund der türkischen Bombardierungen. Etwa zwei Drittel leben in einem Lager, der Rest in leeren Gebäuden, die nur mit Planen bedeckt sind.

Nicht willkommen

Die meisten syrischen Flüchtlinge im Irak kommen aus Nordsyrien, wo auch viele Kurden leben. Da sie sich auf kurdischem Gebiet befinden, besteht eine gewisse Verwandtschaft mit der einheimischen Bevölkerung in Bezug auf Sprache und Kultur. Dennoch werden die Flüchtlinge nicht mit offenen Armen empfangen. Denn es gibt zu viele von ihnen, und die Probleme sind komplex. Infolgedessen dürfen Flüchtlinge das Lager nur selten verlassen, um Arbeit und Wohnung zu suchen, da es bereits so wenig Beschäftigung für die lokale Bevölkerung gibt.

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Warum kehren Sie nicht zurück?

Die Situation in den Lagern ist schrecklich. Zusätzlich zu den materiellen Bedürfnissen haben sowohl Erwachsene als auch Kinder schwere Traumata, und es gibt keine Perspektive für die Zukunft. Warum also kehren sie nicht zurück? Wir nennen Ihnen einige Gründe.

1. Die Türkei hat Gebiete in Nordsyrien eingenommen, sodass syrische Flüchtlinge aus ihrem eigenen Land zurückkehren können. Aber für syrische Kurden, die hier lebten und inzwischen geflohen sind, ist die türkische Präsenz ein großes Problem. Seit Jahrzehnten gibt es einen gewaltsamen Konflikt zwischen den Kurden und der Türkei.

2. Viele Dörfer und Häuser sind bombardiert worden. Buchstäblich alles liegt in Schutt und Asche. Nachdem die Bewohner geflohen waren, wurden Häuser, Ackerland und Einrichtungen zerstört. In diesem Moment fehlt es nicht nur an den Grundbedürfnissen des Lebens, sondern auch an Bildung und guter Gesundheitsversorgung. Ebenso fehlen Arbeit und Einkommensmöglichkeiten.

3. Es ist dort noch nicht sicher. Viele Kriegsparteien sind immer noch aktiv. Darüber hinaus haben die Menschen Angst davor, verhaftet und gefoltert oder entführt zu werden. Zudem wollen junge Männer oft nicht in die syrische Armee eintreten.

4. Viele Syrer sind so traumatisiert, dass sie nicht mehr zurück wollen, auch weil die Mörder ihrer Familien manchmal noch in ihrer Heimatregion leben.

„Die Situation ist wirklich traurig, denn die syrischen Flüchtlinge haben nichts mehr, wohin sie zurückkehren könnten. Sie sitzen hier buchstäblich fest“, bestätigt Esther Grisnich, ZOA-Landesdirektorin im Irak. „Die Regierung hat zwar einen Plan zur Schließung der Flüchtlingslager, aber wenn man die Zahlen sieht, ist er nicht realistisch. Die Menschen können wirklich nirgendwo hingehen“.

ZOA ist da.

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