Spiegel Online: Äthiopien beherbergt Millionen Flüchtlinge

Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge aus Afrika, die nach Europa wollen, erreichen ihr Ziel. Die meisten verlassen niemals ihren Kontinent. Äthiopien hat eine Million Menschen aufgenommen – doch die meisten wollen weiter. Sophia Bogner und Paul Hertzberg von Spiegel Online interviewten Mahlet Kinfe, ein Mitarbeiter von ZOA vor Ort.

Fast eine Million Flüchtlinge leben zurzeit in Äthiopien. Kaum ein anderes afrikanisches Land hat so viele Menschen aufgenommen. Sie kommen aus Djibouti, Eritrea, Somalia und dem Sudan. Für fast alle ist Äthiopien nur ein Zwischenstopp. Sie wollen weiter, in den Westen, nach Europa. Wie viele sich tatsächlich auf den Weg über das Mittelmeer machen werden, wird auch davon abhängen, ob es Äthiopien gelingt, diese Menschen zu integrieren.

Mupenzi Nkera ist einer von ihnen und sein Leben lang auf der Flucht. Als Kind schon musste er seine Heimat, den Kongo, verlassen, es herrschte Bürgerkrieg. Heute ist Mupenzi 24 Jahre alt und lebt in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Er hätte nie gedacht, einmal ausgerechnet hier zu landen.

Es geht ihm nicht schlecht: Er hat eine kleine Wohnung und einen Job: Er repariert Fernseher. Mupenzi könnte hier bleiben. Aber wenn es nach ihm geht, ist seine Flucht noch lange nicht zu Ende.

SpiegelOnlineMupenzi
Mupenzi Nkera floh schon als Kind vor dem Bürgerkrieg im Kongo. Wie so viele möchte er am liebsten weiter nach Europa. Quelle: Spiegel Online, Maheder Haileselassie

Arbeiten und leben außerhalb der Camps

“Dieser Traum vom Westen ist das größte Problem bei der Integration”, sagt Mahlet Kinfe, Mitarbeiter von ZOA vor Ort. “Niemand kann in Äthiopien ein neues Zuhause aufbauen, wenn er nur darauf wartet weiterzuziehen.” In Äthiopie bietet ZOA Integrations- und Weiterbildungskurse für Flüchtlinge an. Noch leben 90 Prozent der Flüchtlinge in den Camps. Sie spielen im äthiopischen Alltag kaum eine Rolle. Doch das wird sich bald ändern. Im Januar hat das Parlament ein neues Gesetz verabschiedet. In Zukunft dürfen Flüchtlinge auch außerhalb der Camps leben und arbeiten. Dieses Gesetz gilt als eines der fortschrittlichsten in Afrika. Aber es bedeutet auch, dass Äthiopien eventuell fast eine Million Menschen integrieren muss. “Eine beinahe unlösbare Aufgabe”, sagt Mahlet. Und doch ist er überzeugt, dass seine Arbeit vor Ort unerlässlich ist.

 

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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*Quelle zum Titelbild: Spiegel Online, Maheder Haileselassie