Myanmar: Keine Rückkehr der Rohingya

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

In einem Newsletter des UNHCR wurde letzte Woche berichtet, dass Bangladesch eine Reihe von Rohingyas überprüfen möchte. Ziel ist es, sie zu ermutigen, nach Myanmar zurückzukehren. Zugleich würde es auch etwa 3000 Flüchtlinge geben, die mit ihnen zurückkehren würden. Da ZOA in Myanmar aktiv ist, sind wir gespannt, ob diese Bewegung auch von den ZOA-Mitarbeitern als möglich gesehen wird. Dazu stellten wir Evert-Jan Pierik – Programmverantwortlicher bei ZOA – eine Reihe von Fragen.

1. Könnten Sie uns kurz etwas über diese Gruppe, die Rohingya’s, erzählen?

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit in Myanmar, deren Staatsangehörigkeit 1982 entzogen wurde. Obwohl diese Gruppe von Menschen seit Jahrzehnten in Myanmar lebt, erkennt der Staat Myanmar diese Menschen nicht mehr als seine Bewohner an. Denn die Regierung (und die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Myanmars) sagt, dass diese Menschen von den Briten während der Kolonialzeit in ihr Gebiet gebracht wurden. Kurz gesagt, der Konflikt geht eine lange Zeit zurück und sitzt sehr tief.

2. Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Die Rohingya haben seit vielen Jahren keinen Zugang zu Grundversorgung (Bildung und Gesundheit). Zudem dürfen sie ihr Dorf nicht ohne Genehmigung der Regierung nicht verlassen. Dadurch wurde die Situation sehr frustrierend und aus dieser Frustration heraus wurde die Arakan Rohingya Heilsarmee geboren. Sie wurden zunehmend aktiver bei Angriffen auf Polizeistationen in ihren Gebieten. Dies war der Grund für die Armee, im Staat Rakhine für immer aufzuräumen. Dies geschah vor genau zwei Jahren. Folglich flohen viele Rohingya über die Grenze nach Bangladesch.

3. Wie ist die Situation momentan?

Inzwischen sind alle Dörfer in den “gereinigten” Gebieten dem Erdboden gleichgemacht und eine Militärbasis sowie sogenannte Flüchtlingslager eingerichtet worden. Sie können sich vorstellen, dass die Rohingya nicht in Freiheitsgefängnisse gehen wollen. Denn die Rückkehr der Rohingya bedeutet Gefängnis für die Rohingya. Bis vor zwei Jahren konnten sie durch die Arbeit auf ihrem Land und den Handel für sich selbst sorgen. Aber nun sind sie völlig abhängig von der Armee, die sie verjagte.

4. Hören Sie Stimmen von Flüchtlingen, die freiwillig zurückkehren wollen?

Es wird keine freiwillige Rückkehr der Rohingya geben. Zumindest nicht, bis die Regierung von Myanmar den Rohingya die Bewegungsfreiheit garantiert und ihnen ihre Bürgerrechte zurückgibt. Die internationale Gemeinschaft ist enttäuscht, dass Aung San Suu Kyi (die Frau, die sie immer unterstützt haben) sich in keiner Weise für die Rohingya einsetzt. Vielmehr lässt sie dem Militär sogar freie Hand. Also nein, niemand geht freiwillig zurück. Denn Myanmar will sie überhaupt nicht, außer in den Gefangenenlagern.

5. Welche Auswirkungen hat dies unter anderem auf die Hilfe von ZOA?

Für ZOA ist dies eine extrem schwierige Situation. Wir haben keinen Zugang zu den Gebieten, in denen die Menschen vertrieben wurden. Denn niemand darf rein, außer dem Militär. Zwar gibt es immer noch Gebiete, in die wir eintreten dürfen, aber nicht in den muslimischen Dörfern. Und auch in diesen Gebieten wird es durch einen weiteren ethnischen Konflikt immer gefährlicher. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal.

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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