ZOA spezialisiert sich auf Landrecht

In vielen Ländern, insbesondere in Afrika, gibt es immer mehr Konflikte um Landrecht. Darum setzte ZOA dieses Thema jetzt auf die Agenda. Zusammen mit seinen Partnern entwickelten wir Konzepte zur Lösung von Landrechtsfragen.

David Betge

Immer öfter kommt es vor, dass Menschen nach einem gewaltsamen Konflikt in ihre Heimat zurückkehren und ihr Land von anderen übernommen wurde. Dies führt schnell zu Konflikten und potentiell auch zu Gewalt. Denn die ehemaligen Eigentümer können zwar Gewohnheitsrechte geltend machen. Doch die Regierung kann den aktuellen Bewohnern durchaus die gesetzlichen Rechte an dem fraglichen Land eingeräumt haben.

Richtlinien

Auf internationaler Ebene findet das Problem der Landrecht immer mehr Beachtung. Denn schlecht entwickelte Landverwaltungssysteme haben oft negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem betreffen die Konflikte auch die nachhaltige Friedensförderung.

Daher entwickelten verschiedene Staaten in den letzten Jahren internationale Richtlinien zur Bewältigung des Landrechtsproblems. Eine dieser Richtlinien ist die Freiwillige Richtlinie über die verantwortungsvolle Verwaltung der Land-, Fischerei- und Waldbesitzrechte (VGGT). Diese Richtlinie wurde von der UN-Generalversammlung und der G20 angenommen. Zudem erkennt eine Vielzahl von Organisationen sie als weltweiten Standard an.

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Landrecht bei ZOA

ZOA startete seine ersten Landrechtsprogramme in Burundi um 2014 und in Uganda im Jahr 2016. In beiden Ländern war das Ziel, von Landrechtskonflikten betroffenen Menschen zu helfen, indem die rechtliche Registrierung ihres Landes durch formale rechtliche Mechanismen ermöglicht wurde. Dies geschieht unter Einbeziehung traditioneller Mechanismen der Landverwaltung. Gemeinsam mit lokalen Partnern und in Zusammenarbeit mit der Regierung tragen wir dazu bei, die traditionellen Rechte der Bürger zu schützen und die Rechte von Frauen und Jugendlichen zu stärken.

Ein Schlüsselelement der ZOA-Programme ist die Unterstützung der lokalen Gemeinschaften bei der Auseinandersetzung über Landrecht und die Sensibilisierung für ihre gesetzlichen Rechte. Darüber hinaus arbeitet ZOA mit lokalen Partnern zusammen, um Konflikte zu lösen, die bei den oft heiklen Gesprächen über die Registrierung von Landrechten auftauchen.

Landrechtsexperten

2016 stellte ZOA zwei Landrechtsexperten ein. Durch sie sollte das Fachwissen in Sachen Landrecht vertieft, vorhandenes Wissen konsolidiert und interne Richtlinien und externe Netzwerke entwickelt werden. Zusammen mit unseren erfahrenen, lokalen Mitarbeitern haben Hendrik Westerbeek und David Betge die Landrechtsarbeit von ZOA in den vergangenen drei Jahren vertieft, ausgeweitet und verbessert.

Kein Selbstzweck

Bei der Arbeit an Landrechtsfragen in Gemeinschaften, die durch Konflikte und Katastrophen auseinandergerissen werden, wird deutlich, dass die Grundbucheintragung kein Selbstzweck ist. Ebenso ist sie nicht der einzige Weg, Landrechtsfragen anzugehen. Es geht vielmehr darum, landgestützte Konflikte innerhalb der lokalen Gemeinschaften zu lösen und Menschen bei der Geltendmachung ihrer Rechte zu unterstützen. Unter anderem geschieht dies durch Wissenstransfer.

Letztlich ist die Registrierung von Landrechten durch die Regierung wichtig, um Konflikte langfristig zu vermeiden und den Menschen Sicherheit zu geben. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften in Fragen des Landrechts ist für die formelle Registrierung von Rechten nicht jederzeit grundsätzlich erforderlich. Doch sie ist ein sehr wichtiger Aspekt für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Praktiken, einem der wichtigsten Fachgebiete von ZOA.

"Die Landregistrierung ist kein Selbstzweck, sondern eine Sache der Konfliktlösung."

Verschiedene Werkzeuge

Die Erfassung der Landgrenzen auf lokaler Ebene kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Eine der Möglichkeiten ist, dass die Community selbstständig arbeitet, z.B. mit einem digitalen Werkzeug. Mit diesem Tool können sie ihre eigenen Landgrenzen und die ihrer Nachbarn leicht dokumentieren. Auf diese Weise sind sie weniger von der Regierung abhängig und können an der Lösung von Landkonflikten und der Sicherung von Grenzen arbeiten.

Aber diese Art von lokalen Initiativen sind besonders nachhaltig, wenn sie von der Regierung unterstützt werden. Letztendlich brauchen die Bürger auch den rechtlichen Schutz ihrer Landrechte, der von der Regierung garantiert wird. Die Zusammenarbeit mit der Regierung ist daher oft ein wichtiger Bestandteil der Landrechtsarbeit. In Uganda arbeitet ZOA mit lokalen und nationalen Behörden und lokalen Gemeinschaften zusammen, um Land offiziell zu registrieren, die Menschen über ihre Rechte zu informieren und sie in die Lage zu versetzen, sie einzufordern. ZOA erleichtert auch Gespräche zwischen den Gemeinden, damit die Menschen gemeinsam die Vorteile, Chancen und Probleme erkennen und diskutieren können, die sich aus der Registrierung von Landrechten ergeben.

Die Arbeit an Landrechten besteht aus zwei Teilen. Es geht zum einen darum, Menschen zusammenzubringen und sie bei der Lösung von Landkonflikten zu unterstützen. Dabei ist es das Ziel, dass Menschen sich untereinander einigen, um Landrecht und -grenzen innerhalb der Gemeinschaft festzulegen. Im Mittelpunkt stehen dabei der Dialog und die Anerkennung der Interessen verschiedener sozialer Gruppen. Andererseits muss ein rechtlicher und administrativer Rahmen geschaffen werden, und die Behörden müssen in der Lage sein, Grundrechte zu registrieren und zu garantieren.

Während beider Prozesse unterstützt ZOA auf verschiedenen Ebenen, wobei die Zusammenarbeit mit strategischen lokalen Partnern im Mittelpunkt steht. Eine große Herausforderung besteht darin, diese Prozesse zu verbinden, das Geschehen auf lokaler und nationaler Ebene zusammenzuführen und Verständnis für diese Prozesse und die unterschiedlichen Interessen zu schaffen.

Ausblick

Im Moment untersucht ZOA hauptsächlich, wie es seine Landrechtsprogramme gestalten wird. In der kommenden Zeit wollen wir unsere Erfahrungen und Kenntnisse auf eine höhere politische Ebene bringen. Dabei wollen und müssen wir immer die am stärksten gefährdeten Menschen im Auge behalten.

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Fotos: David Betge

 

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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Mehr Informationen zu dem Thema sowie offizielle Richtlinie für Landrecht von ZOA finden Sie unter
ZOA Land Rights Guidelines