Kolumbien: Was bleibt noch zu verlieren?

Der Koordinator für Soforthilfe, Kees Jan Hooglander, ist derzeit in Kolumbien. Hier hat ZOA kürzlich Projekte gestartet. Was er in Riohacha, im Nordosten Kolumbiens, fand, war so beunruhigend, dass er uns sofort ein Update schickte. Denn es gibt nicht viel, was ein Mensch noch mehr verlieren kann.

“Es gibt so viele Venezolaner, die die Grenze in diesem Gebiet überschreiten. Sie haben keine Wahl, denn es gibt nichts mehr in ihrem eigenen Land. Man spricht von einer Inflationsrate von mehr als 1,3 Millionen Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Man braucht sozusagen einen Koffer voller Geld, um einen Laib Brot kaufen zu können.”

“Viele venezolanische Frauen leben in dem Lager, das ich heute Morgen besucht habe, und ich habe festgestellt, dass es hauptsächlich alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern sind. Camp’ ist fast ein großes Wort, die Frauen leben in armseligen Hütten und schlafen auf dem Boden. Wenn es regnet, fließt so viel Wasser durch ihr “Haus”, dass sie stehen müssen, um nicht zu ertrinken. An Schlaf ist dann nicht mehr zu denken!”

"Was kann man noch verlieren, wenn man überhaupt nichts mehr hat? Die Sicherheit, dass man einen Platz auf dieser Erde hat, wo man bleiben kann."

Keine andere Option

“Hier gibt es wirklich nichts mehr. Die Mütter haben kein Geld für Essen, doch sie wissen, wie man etwas Wasser durch einen unzulässigen Wasserhahn bekommt. Ins Krankenhaus zu gehen ist überhaupt keine Option. Nur wenn es einen lebensbedrohlichen Notfall gibt, darf ein Venezolaner ins Krankenhaus, aber um Anspruch darauf zu haben, müssen sie wirklich schon dem Tod nahe sein. Viele Kinder sind schwer unterernährt oder krank.”

“Das klingt beunruhigend, und das ist es auch. Aber was mich an diesen Frauen am meisten berührt hat: Sie haben nichts und selbst das wird ihnen genommen. Das Feld, auf dem sie stehen, ist privates Land und sie müssen innerhalb eines Monats verschwunden sein. Wohin sollen sie gehen? Es ist dem Besitzer egal. Es berührt mich, denn es scheint, dass die Kolumbianer und ihre Regierung immer weniger mit diesen Menschen zu tun haben wollen. Die am stärksten gefährdeten Menschen sind von der Härte der Maßnahmen besonders betroffen. Diejenigen, die keine Wahl haben. Diese Frauen wurden schon einmal vom Land vertrieben, kamen aber zurück, weil sie nirgendwo sonst hingehen konnten.

Was kann man noch verlieren, wenn man überhaupt nichts mehr hat? Die Sicherheit, dass man einen Platz auf dieser Erde hat, wo man bleiben kann.”

 

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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