„Ich gewähre jedem Menschen Selbstachtung und Würde."

Wahida (44) aus Afghanistan hat in ihrem Land viel Leid gesehen und erlebt. Doch sie ist aus der Krise herausgekommen, und jetzt verkauft sie Seife und Sahne in zwei Geschäften. Außerdem sorgt sie dafür, dass die Menschen in ihrer Nachbarschaft nicht hungern müssen. “Ich gebe jedem Menschen die Würde und Selbstachtung, die er verdient.” Die Geschichte einer mutigen Frau, die jetzt andere inspiriert!

Wahida wuchs in einer Familie mit vier Schwestern und zwei Brüdern auf. Ihr Vater brachte das Geld nach Hause, genug für den ganzen Tag. Dadurch konnte Wahida sogar zur Schule gehen! “Aber als ich in der siebten Klasse war, wurde ich bei Kämpfen in unserer Hauptstadt Kabul durch herumfliegende Geschosse schwer verletzt. Zwar erholte sich Wahida glücklicherweise, doch die Familie beschloss, in den Iran zu gehen, weil es in Afghanistan zu gefährlich wurde. Dort wuchs Wahida auf, heiratete und bekam zwei Kinder, Reza und Milad. Die Familie blieb etwa 10 Jahre im Land. “Wir fühlten, dass es Zeit war, zurückzugehen, also packten wir zusammen und fuhren zurück. In Afghanistan hatten Wahida und ihr Mann zwei weitere Kinder, Mosawel und Asenaz.

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Hinter dem Zaun

Wahidas Familie kam in das Haus der Familie ihres Mannes. Diese lebten in einer geschlossenen Gemeinschaft, in einen Vorort von Kabul. Das bedeutet, dass ein Zaun den Zugang zur Straße blockierte. Wahida blieb zu Hause, kümmerte sich um die Kinder und sorgte dafür, dass das Essen pünktlich auf den Tisch kam. Eines Tages klopfte eine ZOA-Mitarbeiterin an ihre Tür und fragte, ob sie zu einer Selbsthilfegruppe für Frauen gehen wolle. Wahida stimmte zu und mit der Erlaubnis ihres Mannes ging sie zu den Treffen. „Eine völlig neue Welt hat sich mir geöffnet! Früher blieb ich nur im Haus, aber jetzt habe ich viele Frauen in der Nachbarschaft kennen gelernt.“

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Seife herstellen

Doch auch hier blieb sie nicht vom Leid verschont: Ihr 15-jähriger Sohn ertrank beim Schwimmen mit Freunden. Wochenlang trauerte sie daher um ihn. Viele Frauen aus der Selbsthilfegruppe kamen vorbei, setzten sich zu ihr und halfen ihr durch diese Zeit. Allmählich fand sie wieder Freude und eine Aufgabe im Leben. Eine besondere Wendung, wie sie findet: “Ich habe durch ZOA gelernt, Seife herzustellen! Das lief so gut, dass ich sogar anfing, Seife und Creme zu verkaufen; nicht nur an die Selbsthilfegruppe, sondern auch an zwei kleine Geschäfte.”

Botschafterin

In der Zwischenzeit wuchs ihr Selbstvertrauen. Wahida wurde gebeten, Botschafter der Selbsthilfegruppe zu werden. Dafür wurde sie geschult, “ihren” Frauen eine Stimme zu geben. Darüber hinaus ging sie vorübergehend in die örtliche Klinik, um zu überprüfen, dass die Kinder nicht unterernährt waren. Auf diese Weise lernte sie noch mehr Frauen aus ihrem Umfeld kennen. Sie ist für viele zu einem Vorbild geworden; Menschen, die zunächst dachten, dass eine Frau außerhalb der Familie keine Rolle zu spielen habe.

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Unterstützung und Kritik

Obwohl Wahida bei diesen Aktivitäten von ihrem Mann unterstützt wird, bekommt sie auch viel Kritik, vor allem von einem Nachbarn, der ihr vorwirft, eine schlechte Frau zu sein. Er sagt, dass ihr Platz zu Hause ist und nicht auf der Straße. Seine eigene Frau darf das Haus daher nie verlassen, nur in seiner Gesellschaft; ebenso wenig darf seine Frau Besucher empfangen. Aber es macht einen Unterschied, dass Wahida mit dem Gemeindevorsteher auf gutem Fuße steht. Sie ruft ihn an, wenn sie z.B. hört, dass gefährdete Familien keine Nahrung haben. Sie förderte auch die Bildung in ihrer eigenen Gemeinde. „Jeder sollte zur Schule gehen können!“

Traum

Wahida träumt von einer strahlenden Zukunft, in der es keine Gewalt gegen Frauen mehr gibt. „Niemand sollte verletzt werden. Ich gewähre jedem, auch jeder Frau, Würde und Selbstachtung. Und dazu gehört eine gute Ausbildung, damit sie sich selbst schützen und entwickeln kann.“ Zu diesem Zweck ermutigt sie die Frauen weiterhin, selbst Initiativen zu ergreifen – wo immer möglich. „Ich sehe es als unsere Verantwortung an, unsere Gemeinschaft aufzubauen.“

 

Mut. Es ist wichtig, sich weiterhin gegenseitig zu ermutigen, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Gemeinsam wollen wir für mutige Menschen wie Wahida auch in Krisengebieten da sein. Helfen auch Sie mit?

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