Fünf Fragen zum Grand Bargain

Hintergründe zur Debatte

Viele Millionen Menschen leiden unter Katastrophen und Konflikten. Doch weltweit gibt es nicht genügend Mittel, um all diesen Menschen eine Hilfe nach den internationalen Mindeststandards zu bieten. Daher muss die humanitäre Hilfe so effizient wie möglich organisiert werden. Früher hatten die Geber dazu andere Ansichten und Erwartungen als die Organisationen. Im Jahr 2016 unterzeichnete jedoch eine Gruppe von Geberregierungen, NGO’s und UN-Agenturen eine Vereinbarung über die Organisation der Hilfe. Sie wird als “Grand Bargain” bezeichnet. Doch die Unterzeichnung ist jetzt schon drei Jahre her. Wie ist das Vorhaben gelaufen?

1. Was haben Geber und NGO’s in dem Grand Bargain vereinbart?

Das Grand Bargain ist eine Vereinbarung über Änderungen in der Arbeitsweise von Gebern und Hilfsorganisationen. Ziel ist es, den Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, in fünf Jahren eine zusätzliche Milliarde Dollar zur Verfügung zu stellen. Zu diesen Änderungen – organisiert in 10 Workstreams – gehören mehr finanzielle Transparenz und eine bessere Liquiditätsplanung. Zusätzlich sollen mehr Mittel für nationale und lokale Einsatzkräfte bereitgestellt werden (Lokalisierung) und die Bürokratie durch gemeinsame Bedarfsanalysen und Berichtspflichten vereinfacht werden. Die Vereinbarung zielt auch auf eine “Participation Revolution” ab: eine stärkere Einbeziehung der Menschen, die Hilfe erhalten, in die Entscheidungsfindung, die ihr Leben beeinflusst.

2. Wer hat die Vereinbarung unterzeichnet?

ZOA freut sich, Teil dieses Grand Bargain zu sein. Zusammen mit vielen globalen Partnern stehen wir an vorderster Front bei der Bereitstellung einer verbesserten humanitären Hilfe. Derzeit gibt es 61 Unterzeichner (24 Mitgliedstaaten, 21 NRO, 12 UN-Organisationen, zwei Rotkreuzbewegungen und zwei zwischenstaatliche Organisationen). Unterzeichner der Regierung sind beispielsweise Deutschland, die Niederlande, Schweden, das Vereinigte Königreich, Kanada und die Vereinigten Staaten; weitere Unterzeichner der NGO sind Organisationen wie Oxfam, Save the Children und IRC.

3. Wie hat das Grand Bargain die Arbeitsweise von ZOA verändert?

Viele der Verpflichtungen sind bereits Teil der Betriebsabläufe von ZOA. Zum Beispiel Berichte im IATI, um die finanzielle Transparenz zu erhöhen. Ebenso ist ZOA ein aktives Mitglied der CHS Alliance, um die Beteiligung von Menschen, die die Hilfsleistungen erhalten, zu erhöhen.

Uganda_Grand Bargain
Das Bild zeigt Flüchtlinge aus dem Südsudan in Uganda – einem der Länder, in dem eine große Finanzierungslücke besteht.

Jedoch hat das Grand Bargain unsere Prioritäten beeinflusst. Um den Vereinbarungen gerecht zu werden, haben wir die “Lokalisierung” zu einem der Schwerpunkte unserer Strategie gemacht. In unserem Hybridmodell kombinieren wir, wann immer möglich, die Stärken der eigenen operativen Kapazität mit lokalen Partnerschaften. Dies ermöglicht es uns, flexibel zu bleiben und entsprechend den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Begünstigten zu reagieren. Gerade jetzt werden lokale Partnerschaften immer wichtiger. Da wir in unseren Programmbereichen vor Ort präsent sind, positionieren wir uns gut, um die Wirksamkeit unserer lokalen Partner durch gemeinsame Planung und Training am Arbeitsplatz zu verbessern. Gleichzeitig betont ZOA die Bedeutung des gegenseitigen Lernens, da beide Parteien von der Erfahrung und dem Fachwissen des anderen profitieren.

4. Hält das Grand Bargain bereits sein Versprechen ein?

Noch nicht. In den meisten der Arbeitsabläufe erfordern die unterschiedlichen Ansichten der Unterzeichner weitere Diskussionen und Untersuchungen. Erst dann können wir zu konkreten Ergebnissen kommen. Zum Beispiel: Auf der einen Seite fordern die Durchführungsbehörden weniger Bürokratie und Papierkram, während die Geber mehr Einhaltung verlangen, um Risiken zu minimieren. Die Unterzeichner baten die niederländische Ministerin Sigrid Kaag, ihren Einfluss und ihr Netzwerk zu nutzen, um politische Hindernisse zu beseitigen.

Doch in einigen Bereichen gibt es schon konkrete Ergebnisse. Zum Beispiel in den Bereichen Bar- und Voucher-Assistance. Hier haben Geber und Umsetzer eine gemeinsame Basis gefunden, wie sie diese Barhilfe am besten leisten können. Darüber hinaus haben sich die Unterzeichner im Bereich der Berichterstattung alle darauf geeinigt, dieselbe einheitliche Berichtsvorlage zu verwenden. Dadurch können wir den gleichen Bericht an verschiedene Geber weiterleiten und dennoch ihren Anforderungen entsprechen. Damit wird die Bürokratie wirklich abgebaut.

Die kommenden zwei bis drei Jahre nutzen wir, um die verbleibenden Hindernisse weiter zu diskutieren.

5. Wie geht es weiter?

Wir sind gegenüber unseren Begünstigten und unserem Wahlkreis dafür verantwortlich, die richtige Hilfe auf effiziente Weise anzubieten. ZOA ist überzeugt, dass die Diskussionen in den verschiedenen Arbeitsabläufen notwendig sind. Nur damit können wir die Hilfe für Menschen in gefährdeten Situationen verbessern. Die Zahl der Menschen, die unter Katastrophen und Konflikten leiden, wird hoch bleiben. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass wir unsere Hilfe so effizient wie möglich leisten. Es ist nicht einfach, sich immer mit allen Gebern und allen anderen Durchführungsorganisationen zu einigen. Aber wir wollen es trotzdem versuchen. In der Zwischenzeit liegt unser Schwerpunkt in unserem strategischen Plan auf der Umsetzung der Verpflichtungen aus dem Grand Bargain.

Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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