Corona und Frauen: steigende Verantwortung

Corona hat großen Einfluss auf das Leben vieler Menschen. Viele arbeiten im informellen Sektor, der jetzt teilweise oder ganz zum Erliegen gekommen ist. Daher fehlt vielen Familien das Einkommen. Dies schafft eine unangenehme Situation für den Mann, der oft die Aufgabe hat, für seine Familie zu sorgen, aber oft auch für unsichere Situationen für die Frau. Soziale Sicherheitsnetze sind nicht vorhanden, und es gibt immer mehr Anzeichen für steigende häusliche Gewalt.

 

In vielen Ländern, in denen ZOA aktiv ist, verlassen Frauen täglich das Haus, um auf dem Markt zu verkaufen. Allerdings ist die Ansteckungsgefahr dort inzwischen hoch und an öffentlichen Orten besteht auch ein höheres Gewaltrisiko, weil alle Menschen angespannter sind. In anderen Ländern sind viele Frauen aufgrund der neuen Regeln gezwungen, zu Hause zu bleiben. Dadurch ist es noch schwieriger, häusliche Gewalt zu vermeiden.

Corona und Frauen in Liberia – Steigende Verantwortung

Ein Kollege aus Liberia erzählte uns: “Viele Frauen in Liberia sind für die Ernährung ihrer Familien verantwortlich. Sie leben von der “Hand in den Mund”, was bedeutet, dass sie jeden Tag auf den Markt oder auf die Straße gehen müssen, um ihre Produkte zu verkaufen. Dadurch entstand ein großes Problem. Entweder, sie erzielten kein Einkommen, keine Nahrung oder sie gingen das Risiko ein, dem Coronavirus ausgesetzt zu werden. Darüber hinaus gab es viele Berichte über Gewalt in der fraglichen Region, sowohl in Haushalten als auch auf der Straße. Dies sind natürlich äußerst beunruhigende Fälle. Wenn Frauen ihre Arbeit verlieren, direkt wegen der Krise oder weil sie in Krisenzeiten mehr Fürsorgeaufgaben zu erledigen haben, gibt es für sie kein Schutzsystem, das ihr Einkommen und ihre Unabhängigkeit garantiert”.

Darüber hinaus ist auch die Pflege in vielen der Länder, in denen ZOA arbeitet, immer noch eine Aufgabe der Frauen. Aufgrund des Mangels an Krankenhäusern können (Corona-)Patienten nicht immer versorgt werden, und es wird erwartet, dass die Frauen diese Aufgabe übernehmen. Dies ist eine Gefahr sowohl für die Frauen als auch für ihr Umfeld. Darüber hinaus kümmern sie sich oft um Menschen, die an anderen Krankheiten leiden. Besonders in der gegenwärtigen Situation trauen sie sich oft nicht ins Krankenhaus, benötigen aber trotzdem viel Pflege. Hinzu kommt die zusätzliche tägliche Betreuung der Kinder, da die Schulen geschlossen sind.

200609_Frauen und Corona

Corona und Frauen im Irak – Keine Unterstützung

Im Irak – einem der Länder, in dem ZOA mehrere Projekte durchführt – stehen zurzeit viele Dienstleistungen für Frauen still. Dazu zählen insbesondere unsere Sicherheits- oder Gesundheitsdienste. Das bedeutet, dass die Frauen auf sich allein gestellt sind. Hinzu kommt, dass Männer verstärkt zu Hause sind und Frauen in den oft streng konservativen Gemeinden nicht allein aus dem Haus gehen dürfen. Unsere Kolleginnen und Kollegen hören regelmäßig Geschichten von Frauen, die zu Hause körperlich und geistig misshandelt werden, aber nicht in der Lage sind, Dienste aufzusuchen, die ihnen helfen können.

Zunehmende Spannungen, Probleme, Störungen des täglichen Lebens (und manchmal auch Isolation in der Wohnung), Rückfall in Armut, Unsicherheit und Stress machen immer deutlicher, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der gegenwärtigen Situation zunimmt.

Leider sind die Mittel, die ZOA gegen Gewalt einsetzen kann, begrenzt. Trotzdem tun wir alles, was wir können, um den Frauen so gut wie möglich zu helfen. ZOA stellt sicher, dass Frauen besondere Aufmerksamkeit erhalten, indem wir Damenbinden und zusätzliche Seife in die Hygienesets füllen. Im Irak gehen unsere Kollegen von Tür zu Tür und versuchen, Frauen direkt anzusprechen. Darüber hinaus versuchen wir herauszufinden, wie wir die Frauen in den Gemeinden, in denen wir arbeiten, erreichen und ihnen helfen können. Selbst in einer Krise wie dieser. Für die ZOA-Mitarbeiter ist die Abriegelung in vielen Ländern auch eine Unannehmlichkeit.

 

200609_Corona und Frauen1

Projekte, die einen Fokus auf Frauen in der Gesellschaft legen, sind seit einigen Jahren ein Projektland von ZOA. Durch die schwierige Lage aufgrund des Ausbruchs des Virus stellten wir uns die Frage: Welche Auswirkungen hat Corona auf Frauen?
Willst auch Du helfen? Dann leiste einen Beitrag zum Corona-Nothilfefonds.

 

Hilfst auch Du mit?
Ja, ich möchte die Arbeit von ZOA unterstützen!

Erhalte mehr Informationen in unserem Newsletter:
Jetzt Newsletter abonnieren

ALTRUJA-PAGE-N8F7

Wir sind hier.