Corona in den ZOA-Ländern - Wie steht es um Syrien?

Syrien, ein Land, in dem seit neun Jahren ein Kampf zwischen bewaffneten Armeen stattfindet, muss nun einen unsichtbaren Feind bekämpfen: COVID-19. Als Entwicklungshelfer erschüttert mich das tief und ich wage nicht an mögliche Konsequenzen zu denken. Denn neun Jahre Krieg haben dieses Land an allen Fronten geschwächt. Welche Auswirkungen hat Corona in Syrien?

 

Offiziell wurde der erste Coronapatient am 22. März in Quarantäne gestellt. Aber was sind schon Statistiken wert? Etwa so viel, wie die vielen Gerüchte, die derzeit in Syrien kursieren.

Risikogruppen

Man kann durchaus sagen, dass mit Ausnahme einiger kleiner Eliten die überwiegende Mehrheit Syriens in die Risikogruppe für Corona fällt. Darunter sind die Gruppen, die vor der Schlacht um Idlib geflohen sind, besonders verwundbar. Denn sie leben unter miserablen Bedingungen. Manchmal sind sie nicht einmal vor Kälte und Regen geschützt und in einem schlechten Zustand. Vor allem Frauen und Kinder sind sehr gefährdet, ebenso wie Familien mit älteren oder behinderten Kindern.

Krankenhäuser und medizinisches Personal

Die überwiegende Mehrheit der Krankenhäuser und Kliniken wurde zerstört. Viele der medizinischen Mitarbeiter sind ins Ausland geflohen. Eine Intensivstation in Deutschland ist Lichtjahre vom Zustand eines durchschnittlichen Krankenhauses in Syrien entfernt.

Hinzu kommt, dass die Sanktionen der letzten Jahre dazu geführt haben, dass bei medizinischen Geräten, Desinfektionsmitteln, Mundmasken und Testmaterialien ein großer Mangel herrscht. Die Materialien, die verfügbar sind, sind für den einfachen Mann unerschwinglich. Seit den Sanktionen sind die Preise um bis zu 700 bis 1000% gestiegen. Viele Menschen in Syrien können sich finanziell nichts anderes leisten, als die lebensnotwendigsten Nahrungsmittel zu kaufen und selbst dies schafft nicht jeder.

 

"Bei so viel Gefahr halten wir als Team den Atem an und beten weiterhin für Frieden und Gesundheit in Syrien. Aber unsere Teams sind auch bereit, alles zu tun, was sie können."

Corona-Maßnahmen in Syrien

In Syrien wird derweil auch der Coronakrise viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Grenzen sind geschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel sind stillgelegt. Auch Restaurants mussten in den vergangenen Tagen schließen. Doch die Frage ist, ob diese Maßnahmen im Falle Syriens ausreichen werden. Denn es gibt viele problematische Stellen, an denen es für die Menschen keine Möglichkeit gibt, anderthalb Meter Abstand zu halten. So zum Beispiel in den Auffanglagern, in denen Menschen dicht an dicht leben. Oder auch Menschen, die kein Einkommen haben und gezwungen sind, sich den Menschen auf der Suche nach einem Einkommen anzuschließen. “So viel wie möglich von zu Hause aus arbeiten” ist in Syrien keine wirkliche Möglichkeit.

ZOA in Syrien

Unser ZOA-Team hat ein Büro in der Stadt Damaskus. Trotzdem versuchen unsere Mitarbeiter, so viel wie möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Zusätzlich hat die Regierung restriktive Maßnahmen verhängt, die es uns erschweren, unsere Programme fortzusetzen. Wir leisten vor allem Nothilfe in Nordsyrien, was noch stärker abgeriegelt wurde. Das ist besonders schmerzhaft. Denn für viele Menschen ist unsere Hilfe wirklich notwendig. Teil unserer Hilfe ist die Verteilung von Lebensmitteln, aber auch Seife und Hygieneartikel werden im Moment dringend benötigt.

Wir stehen noch immer am Anfang der Coronakrise in Syrien. Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Bei so viel Verletzlichkeit halten wir als Team den Atem an und beten weiterhin für Frieden und Gesundheit in Syrien. Unsere Teams sind bereit, alles zu tun, was sie können, sobald die Maßnahmen aufgehoben sind und die Folgen besser einordbar sind.

 

ZOA ist bereit, in allen Einsatzländern auch weiterhin zu helfen, sollte auch dort ein Corona-Ausbruch erfolgen.

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