Kolumne Chris Lukkien: Hoffnung nach Liberia bringen

Wenn Sie ein paar Wochen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia verbringen, landen Sie automatisch im Ducor Hotel. Das 1960er Hotel war über Jahre eines der luxuriösesten 5-Sterne-Hotels Afrikas. Im Pool soll der ugandische Diktator Idi Amin geschwommen haben, während er noch seine Waffe trug. Auch der libysche Diktator Gaddafi blieb gerne in Monrovia. Inzwischen hat er seinen Ruhm verloren, der Herzog. Alles, was einst Wert hatte, wurde weggeraubt, über dem Pool liegt ein grünes Leuchten. In den Mauern befinden sich Tausende von Einschusslöchern, die uns an die beiden Bürgerkriege erinnern, die hier vor weniger als zwanzig Jahren tobten.

Zeichen des Krieges

Neben dem Ducor gibt es noch weitere Gebäude in Liberia, die an die dunklen Seiten dieses Landes erinnern. Die Kriege kosteten Tausende von Menschenleben und vertrieben fast eine Million Menschen. Doch bei einem Besuch in Liberia bemerkte ich, dass nicht nur die Gebäude beschädigt wurden. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Familienmitgliedern, Nachbarn und Mitbürgern ist oft noch tief erschüttert. Oft sehen wir das in Gebieten, in denen es einen Bürgerkrieg gab: Ihr ehemaliger Freund könnte im Krieg plötzlich Ihr Feind sein. Wie fängt man an, wieder Menschen zu vertrauen, ohne dass einem jemand sagt, wie man es macht?

Chris Lukkien

Deshalb finde ich es toll, dass wir als ZOA in Liberia ein Programm starten konnten, in dem wir den Liberianern helfen, wieder Vertrauen zueinander aufzubauen. Wir haben kurz nach dem Krieg 2003 mit der Soforthilfe begonnen, jetzt können wir helfen, die letzten Kriegswunden aus dem Volk zu entfernen. Übrigens nicht nur in Liberia, sondern auch beispielsweise im Irak und in Jordanien bieten wir eine solche “Nachsorge” an. Das macht es etwas weniger schmerzhaft, Gebäude wie das zerstörte Ducor Hotel zu sehen. Aber gerade Kriegsopfer können ihren Freunden, Verwandten und Nachbarn auch wieder direkt in die Augen schauen.

Das schafft Frieden und gibt ihnen neue Hoffnung. Ich hoffe auf eine bessere Zukunft. Wie schön wäre es, wenn die Menschen neue Zuversicht finden würden!

 

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ZOA in Liberia