Willem: Die Katastrophe ließ 350.000 Menschen obdachlos zurück

Unser Nothilfeexperte Willem van Burgsteden war seit dem ersten Moment an den Hilfsmaßnahmen in Indonesien beteiligt. Deshalb stellten wir ihm eine Reihe von Fragen über die Arbeit, die ZOA auf einigen indonesischen Inseln leistet. Lesen Sie sein Interview hier.

Willem, kannst du uns etwas über Indonesien erzählen?

“Indonesien liegt in einem geologisch stark aktiven Bereich von Gleitbodenplatten, die miteinander kollidieren. Dieser sogenannte “Feuerring” ist gekennzeichnet durch über 60 aktive Vulkane. Dadurch verschieben sich die Erdplatten um etwa 6 cm pro Jahr und verursachen Erdbeben und Seebeben, Tsunamis (Flutwellen) und Vulkanausbrüche. Die größte Katastrophe in der modernen Geschichte Indonesiens war das Seebeben und die daraus resultierende Flutwelle, die 2004 die Provinz Aceh erreichte und 160.000 Opfer forderte.”

Wann hat ZOA seine Projekte in Indonesien gestartet?

“Im Juli 2018 wurde Lombok von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Es führte zu großen Schäden, aber forderte glücklicherweise relativ wenig Opfer. Doch dann folgte ein schwereres Beben, bei dem 483 Menschen ihr Leben verloren. Außerdem wurden 350.000 Menschen obdachlos. Dies war Grund genug für ZOA zu untersuchen, ob wir die Mittel besitzen, um lebensnotwendige Güter schnell genug verteilen zu können. Innerhalb von 2 Wochen wurde eine Zusammenarbeit mit World Renew und einer lokalen Organisation YBT aufgebaut. Mit ihnen konnten wir die ersten Güter wie Decken und Plastikplanen für die Nächte im Freien an die Opfer der Katastrophe verteilen.”

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Und was geschah dann?

“Nach der Entleerung im ersten Notfall erweiterten wir die Aktivitäten in den am stärksten betroffenen Dörfern durch den Bau von provisorischen Häusern schnell. Darüber hinaus stellten wir Toiletten mit Dusche und Waschplatz auf, richteten eine Müllabfuhranlage ein und führten Hygieneschulungen durch. All dies haben wir kombiniert mit Traumaverarbeitungsaktivitäten auf Dorfebene und der Schulung der Dorfbewohner für zukünftige Katastrophen.”

Und was macht ZOA auf Sulawesi?

“Weniger als zwei Monate später wurde Sulawesi von einem Erdbeben heimgesucht, gefolgt von einer Flutwelle. Diese Katastrophe kostete mehr als 2000 Menschen das Leben. Dabei trat bei diesem Beben ein neues Phänomen auf, der sogenannte “Verflüssigungsprozess”. Denn das Erdbeben ließ den sandigen Boden flüssig werden, und Dörfer wurden vom diesem Sand förmlich verschluckt. Dadurch wurden Tausende von Menschen in die Tiefe gezogen. Daher beschloss ZOA, den Opfern Soforthilfe durch Lebensmittelpakete, Wasser, Decken und Plastikfolie zu leisten. Denn das Ausmaß der Zerstörung in Sulawesi war größer als in Lombok, ebenso wie die Bedürfnisse. ZOA half bei der Reparatur beschädigter Krankenhäuser und richtete mobile Kliniken ein, die in das betroffene Gebiet gelangen konnten.”

Was hat ZOA bisher getan?

“In Lombok und Sulawesi bauten wir bereits rund 500 temporäre Häuser. Zudem haben wir mit dem Bau dauerhafter erdbebensicherer Häuser auf Sulawesi begonnen. Doch eine schnellere Realisierung von Häusern wird durch den Mangel an Bauarbeitern, Bauingenieuren, Zement und anderen Baustoffen behindert.”

Willem, was ist dein Wunsch für die Inseln?

“Ich hoffe, dass die Menschen in Lombok und Sulawesi durch die Zusammenarbeit zwischen den lokalen NRO, internationalen Organisationen und der indonesischen Regierung innerhalb von 5 Jahren wieder ein Dach über dem Kopf haben werden. Zudem brauchen sie eine gute Gesundheitsversorgung, effektive öffentliche Dienstleistungen und einer nachhaltige Einkommensquelle.

 

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Für uns bei ZOA kennt die Nächstenliebe keine Grenzen: Wir helfen Opfern von Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt. Das fängt bei der Soforthilfe an, aber wir bleiben auch dann noch, bis die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen.

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