Direkt zum Inhalt
Klimawandel: Profilbild von Clarie Burger

Der Klimawandel zwingt uns dazu, viel weiter in die Zukunft zu blicken

Um Klimaflüchtlingen richtig helfen zu können, ist eine langfristige Vision erforderlich, so Claire Burger, Länderdirektorin von ZOA Uganda. Dazu muss allerdings zunächst ihr Status anerkannt werden. „Der Klimawandel als Fluchtursache wird oft nicht erwähnt, obwohl er tatsächlich einer der Haupttreiber ist.“

Landesdirektorin CLAIRE Burger VON ZOA UGANDA:

Klimaflüchtlinge sind noch nicht anerkannt

Der Klimawandel treibt Millionen von Menschen weltweit in die Flucht. Doch die internationale Gemeinschaft erkennt diese Tatsache noch nicht ausreichend an, so Claire Burger, Biologin und Länderdirektorin von ZOA Uganda. Um Klimaflüchtlingen langfristig helfen zu können, muss sich das ändern. „Wir müssen diesen Menschen helfen, sich gegen den Klimawandel zu wappnen, indem wir sie dazu bringen, weiter vorauszuschauen und langfristiger zu denken.“

Dürre oder extreme sintflutartige Regenfälle. Ernteausfälle, oder das Verschwinden von Weideland. Konflikte wegen Wassermangel. Der Klimawandel ist ein häufiger Grund dafür, warum Menschen fliehen. Doch dies wird in der internationalen Gemeinschaft – selbst von Hilfsorganisationen – oft nur unzureichend anerkannt, sagt Claire Burger, Direktorin von ZOA Uganda. „Wir bezeichnen diese Menschen oft nicht als Klimaflüchtlinge. Der Klimawandel als Ursache wird nicht erwähnt, obwohl er einer der Haupttreiber ist.“

Sie lebt und arbeitet seit fast zwei Jahren in Uganda, wo ZOA mehrere Projekte durchführt, um den Menschen beim Aufbau einer Existenz zu helfen. „Besonders hier in Ostafrika sehen wir eine starke Migration, die eindeutig Folge des Klimawandels ist“, sagt Claire.

Klimawandel: Mutter mit ihrem Kind in Uganda

Als Biologin mit Spezialisierung auf nachhaltige Landwirtschaft stellt sie fest, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensgrundlagen der am stärksten gefährdeten Menschen zunehmen. „Es ist letztlich eine Frage der Gerechtigkeit“, sagt sie. „Die Ärmsten leiden am meisten unter den von den Reichen verursachten Umweltbelastungen. Ich hoffe, wir können noch etwas dagegen tun, damit die Erde für alle lebenswert bleibt.“

Doppelter Verlust

Ironischerweise sind sich die Menschen, die am stärksten betroffen sind, oft gar nicht bewusst, dass der Klimawandel dies in verschiedenen Bereichen tut, sagt Claire. Der Klimawandel verursacht alle möglichen Probleme, wie Abholzung und schlechte Landbewirtschaftung im Vorfeld, aber auch fehlende Landbesitzmöglichkeiten, Krankheiten und Heuschreckenplagen. „Wenn es kein Weideland mehr für Ihr Vieh gibt, müssen die Menschen fliehen. Und wenn alle in dieselbe Region flüchten, entstehen schnell neue Konflikte um Land oder Wasser.

Junge Menschen lassen oft ihren Worten Taten folgen und tauschen ihr unsicheres Leben auf dem Bauernhof gegen einen – leider ebenso unsicheren – Job in der Stadt ein. Und gerade junge Menschen gibt es in Uganda in Hülle und Fülle: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter achtzehn Jahre alt. „Mit dieser Abwanderung in die Stadt verliert die Gesellschaft gleichzeitig zwei Dinge: das Potenzial der Landwirtschaft und das der jungen Generation auf dem Land.“

Die Lösung liegt in einer langfristigen Ausrichtung

Claire zufolge liegt der Schlüssel zur Lösung in einer langfristigen Ausrichtung. „Vor allem für geflüchtete Menschen erfordert dies ein Umdenken. Sie haben oft Angst, die nächste Ernte zu verlieren, und leben von Tag zu Tag, ohne langfristig in die Zukunft zu schauen.“

Klimawandel: Gruppentraining von Landwirten in Uganda

Der von der Universität Wageningen entwickelte und von ZOA in verschiedenen afrikanischen Ländern angewandte PIP-Ansatz (Plan Integré du Paysan) hilft den Menschen auf Haushaltsebene, weit in die Zukunft zu planen und eine Zukunftsvision zu entwickeln. Die Methode verspricht daher nachhaltige Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.

„Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem die Menschen aufgefordert werden, über die Zukunft ihrer Familie nachzudenken“, sagt sie. „Was wünschen sie sich für ihre Kinder? Was glauben sie, mit welchen Klimaproblemen ihre Kinder zu kämpfen haben werden? Dies sind sehr unterschiedliche Fragen, die gestellt werden. Oft fragen sie auch lediglich: Welche Art von Produkten möchte ich morgen verkaufen?“

Die langfristige Vision bestimmt, was sie im Moment tun können. Welche Ressourcen gibt es, die sie nutzen können? Mit welchen Techniken können sie ihr Land weiter bewirtschaften? Wie können sie die Qualität des Bodens verbessern? Und wie können sie zum Beispiel die verfügbare Energie optimal nutzen? „Wenn du in fünf Jahren noch Früchte im Schatten essen willst, musst du heute einen Baum pflanzen“.

Uganda birgt großes Potenzial

Trotz der Klimaprobleme in der gesamten Region hat Uganda nach Auffassung von Claire ein großes Potenzial. „Hier gibt es zwar noch Wasser, aber es regnet zu viel in zu kurzer Zeit. Ein gutes Wassermanagement ist daher von entscheidender Bedeutung.“

Klimawandel: Kinder aus Uganda

Wenn die große junge Generation die Chance erhält, das Land auf nachhaltige Weise zu bewirtschaften, kann dies ihrer Meinung nach in Uganda und ganz Ostafrika viel bewirken. „Das gibt Hoffnung. Vieles ist möglich, und es gibt bereits viele tolle Initiativen.“

Um die Zunahme der Klimaflüchtlinge zu stoppen, seien jedoch Maßnahmen in weitaus größerem Umfang erforderlich, argumentiert sie. „Was wir derzeit weltweit tun, reicht bei weitem nicht aus, um das Blatt zu wenden. Und das gibt Anlass zur Sorge. Besonders als Christen haben wir die Verantwortung, uns um die Schöpfung zu kümmern. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.“

Unterstützen Sie mit uns die Opfer des Klimawandels

Gemeinsam können wir für die da sein, die am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Indem wir ihnen helfen, gegen Dürre und Extreme Unwitter widerstandsfähig zu werden, können wir verhindern, dass sie fliehen müssen. Helfen Sie uns?

Jetzt helfen    Mehr über Klimaflüchtlinge